Gegenwärtig lässt die Stadt Potsdam durch einen privaten Investor unweit des Rechenzentrums (RZ) ein KreativQuartier bauen, welches einen Teil der Nutzer*innen nach dem für 2023 geplanten Abriss auffangen soll. Aber zahlreiche Initiativen, Gruppen und Vereine setzen sich gemeinsam mit den Nutzerinnen und Nutzern des RZ für den langfristigen und vollständigen Erhalt des Hauses ein. Der bisher politische beschlossene Abriss wurde im Mai 2020 durch die Stadtverordnetenversammlung in Frage gestellt. Im Rahmen eines zweijährigen Verfahren zur Konzeption und Gestaltung des Bereich Garnisonkirche/ Rechenzentrum will die Stadt prüfen, ob das Rechenzentrum vollständig oder in Teilen erhalten werden kann.
Zwischen 1969 und 1971 entstand das Datenverarbeitungszentrum (DVZ) am Standort der ehemaligen Garnisonkirche nach Plänen des Kollektivs um den Architekten Sepp Weber. Das DVZ wurde in Montagebauweise errichtet, die vorgeblendeten vertikalen Lamellen sollen „das konstruktive Prinzip des Stahlbetonskelettbau auf die Gebäudehülle übertragen“ (Metropolar). Dieses der Architektursprache Mies an der Rohes entlehnte Motiv wurde in den 1990er Jahren nach Bauschäden entfernt. Es befand sich einst auch an der Fassade der 2018 abgerissen Baukomplex der Fachhochschule, welche zwischen 1971 und 1977 ebenfalls nach Plänen eines Kollektivs um Sepp Weber errichtet worden war. Der Kantinenbereich des Datenverarbeitungszentrum wurde bereits 2010 angerissen, um der Nagelkreuzkapelle Platz zu machen. 2019 erfolgte der Abriss des nicht mehr genutzten zweigeschossigen Bauteils für die Rechneranlagen.
Vom Datenverarbeitungszentrum (DVZ) zum Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum (RZ). Zwischen 1969 und 1971 entstand das DVZ am Standort der ehemaligen Garnisonkirche, welches als solches bis 2017 genutzt wurde. Im Rahmen eines Zwischennutzungsvertrags begannen Kunst- und Kreativschaffende freiwerdende Flächen seit September 2015 als Arbeits- und Kommunikationsort zu nutzen. Nach dem vollständigen Auszug des IT-Unternehmens übernahmen sie den ganzen 5-geschössigen Bau Ende 2016. Auf über 5000 Quadratmetern entwickeln, produzieren und teilen über 250 Nutzer*innen ihre Ideen und Projekte. Neben den zu günstigen Konditionen mietbaren Einzelräumen (Ateliers, Studios, Büros, Werkstätten) gibt es Gemeinschafts-, Seminar-, Veranstaltungs- und Ausstellungsräume für verschiedene interne und externe Formate. Der gegenwärtige Vertrag endet im Jahr 2023. Danach soll der Bau zu Gunsten des Wiederaufbaus der Garnisonkirche abgerissen werden.
Erst Datenverarbeitungszentrum (DVZ), dann Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum (RZ). Zwischen 1969 und 1971 entstand das DVZ am Standort der ehemaligen Garnisonkirche, welches als solches bis 2017 genutzt wurde. Im Rahmen eines Zwischennutzungsvertrags begannen Kunst- und Kreativschaffende freiwerdende Flächen seit September 2015 als Arbeits- und Kommunikationsort zu nutzen. Nach dem vollständigen Auszug des IT-Unternehmens übernahmen sie den ganzen fünfgeschossigen Bau Ende 2016. Auf über 5000 Quadratmetern entwickeln, produzieren und teilen über 250 Nutzer*innen ihre Ideen und Projekte. Neben den zu günstigen Konditionen mietbaren Einzelräumen (Ateliers, Studios, Büros, Werkstätten) gibt es Gemeinschafts-, Seminar-, Veranstaltungs- und Ausstellungsräume für verschiedene interne und externe Formate. Der gegenwärtige Vertrag endet im Jahr 2023. Danach soll der Bau zu Gunsten des Wiederaufbaus der Garnisonkirche abgerissen werden.
Die historische Garnisonkirche Potsdam wurde in den Jahren 1730–1735 errichtet und diente allen protestantischen Militärangehörigen der Garnisonstadt Potsdam als Gemeindekirche bis ins Jahr 1945. Im April 1945 durch den Luftkrieg schwer beschädigt, wurde die Kirche 1968 abgerissen. An ihrer Stelle wurde ein Datenverarbeitungszentrum erbaut. Ihre Zivilgemeinde nannte sich 1949 in Heilig-Kreuz-Gemeinde um und bestand bis Ende 2018 als eigenständige Gemeinde fort.
Die Initiative zum Wiederaufbau ging 1984 zunächst von der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel (TPG) um den rechtsgerichteten Bundeswehroffizier Max Klaar aus. Diese ließ bis 1987 das Glockenspiel der Kirche auf der Kaserne in Iserlohn schrittwiese nachbauen und schenkte es 1990 der Stadt Potsdam. Im September 2019 wurde es aufgrund rechtslastiger Inschriften nach 18 Jahren abgestellt.
Nach anfänglicher Ablehnung des Wiederbaus der Garnisonkirche griff die evangelische Kirche dieser Idee im Jahr 2000 auf, als die wichtigsten politischen Entscheidungsträger*innen das Projekt bereits unterstützen. Im Jahr 2004 erfolgte der „Ruf aus Potsdam“ zum Wiederaufbau, 2008 die Gründung der kirchlichen Stiftung Garnisonkirche Potsdam. Das Versprechen der Initiatoren, das Projekt durch Spenden zu finanzieren ging nicht auf. Die öffentliche Hand ist mit mehr als 23 Mio. € größte Geldgeberin.
Weder die historische Garnisonkirche noch das Wiederaufbauvorhaben stehen für sich, sondern im Kontext allgemeiner gesellschaftlicher Debatten, Entwicklungen und Konflikte. An dieser Stelle wollen wir Analysen und Positionen Raum geben, welche sich mit diesen Hintergründen befassen, ohne welche die Diskussionen um das Projekt nicht verstanden werden können.
Seit Aufkommen der Idee zum Wiederaufbau der Kirche am westdeutschen Bundeswehrstandort Iserlohn im Jahr 1984 ist diese heftig umstritten. In Iserlohn wie auch ab 1990 in Potsdam wandten sich zunächst Kirchenkreise gegen das Vorhaben, deren Kritik sich Antimilitarist*innen und linke und liberale Kräfte mit weiteren Argumenten und Sichtweisen anschlossen. Die Kontroverse betrifft das Geschichtsverständnis, das Verhältnis zum preußischen Erbe an diesem Ort, zu Militär und Kirche, die symbolische Bedeutung von Architektur, die Idee der Versöhnung und die angemessene Form der Erinnerung und der politischen Bildungsarbeit. Auch mit Baubeginn 2017 ist dieser Meinungsstreit nicht abgeebbt. An dieser Stelle möchten wir einige uns besonders relevant erscheinende Debatten dokumentieren und weiterführen.
Die Initiative zum Wiederaufbau ging 1984 zunächst von der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel (TPG) um den rechtsgerichteten Bundeswehroffizier Max Klaar aus. Diese ließ bis 1987 das Glockenspiel der Kirche auf der Kaserne in Iserlohn schrittweise nachbauen und schenkte es 1990 der Stadt Potsdam. Im September 2019 wurde es aufgrund rechtslastiger Inschriften nach 28 Jahren abgestellt.
Nach anfänglicher Ablehnung des Wiederaufbaus der Garnisonkirche griff die evangelische Kirche diese Idee im Jahr 2000 auf, als die wichtigsten politischen Entscheidungsträger*innen das Projekt bereits unterstützten. Im Jahr 2004 erfolgte der „Ruf aus Potsdam“ zum Wiederaufbau, 2008 die Gründung der kirchlichen Stiftung Garnisonkirche Potsdam. Das Versprechen der Initiator*innen, das Projekt durch Spenden zu finanzieren, ging nicht auf. Die öffentliche Hand ist mit mehr als 23 Mio. € größte Geldgeberin.
Mit dem Ende der Wehrmacht 1945 wurde die Militärgemeinde der Garnisonkirche aufgelöst. Die Zivilgemeinde gab sich in Abgrenzung zu ihrer historischen Tradition 1949 den neuen Namen „Heilig-Kreuz-Gemeinde“. Die Kirchenruine wurde gesichert und zunächst in ihrem Sockel provisorisch eine Kapelle eingerichtet, doch im Sommer 1968 wurde sie gesprengt. An ihrem Standort entstand in den Jahren 1969-1971 das Datenverarbeitungszentrum nach den Plänen des Kollektivs um den Architekten Sepp Weber, welches seit 2015 als Kunst und Kreativhaus Rechenzentrum genutzt wird. Für die Heilig-Kreuz-Gemeinde wurde als Ersatz in der Nachbarschaft mit dem Heilig-Kreuz-Haus ein modernes Gemeindezentrum geschaffen. Von hier aus erfolgte in den kommende zwei Jahrzehnteen eine intensive und oft auch regimekritische Friedensarbeit. Zum 1.Januar 2019 verlor die Heilig-Kreuz-Gemeinde Potsdam ihre Eigenständigkeit und wurde mit der Evangelische Erlöserkirchengemeinde Potsdam fusioniert.
Nach Ende des 1. Weltkrieges und der Ausrufung der Republik am 9. November 1918 entsteht am 6. Februar 1919 mit der Eröffnung der Nationalversammlung die Weimarer Republik. Am 24. November 1919 fand hierzu die Gegenveranstaltung in der Garnisonkirche statt. Der Hauptredner war Erich Ludendorff, der damals die Führungsfigur der Rechtsextremisten war, der gegenüber dem „Geist von Weimar“ den „Geist von Potsdam“ beschwor. In der Weimarer Republik entwickelte sich die Garnisonkirche zu einer Wallfahrtsstätte rechtsextremer Organisationen, die hier zahllose Veranstaltungen abhielten. Nach der Machtübernahme der NSDAP und der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 findet zur Eröffnung des neuen Reichstags am 21. März 1993 in der Garnisonkirche der Tag von Potsdam statt. Mit diesem suchte sich das nationalsozialistische Regime unter Zustimmung von Reichspräsident Paul von Hindenburg, des Militärs, der Kirche und des Adels in die Tradition der preußisch-deutschen Geschichte vor 1918 zu stellen. Während des NS-Regimes dient die Garnisonkirche als „erste Soldatenkirche der Wehrmacht“ der nationalsozialistischen Militärseelsorge. Das Glockenspiel nutzt der Reichsrundfunk als Pausenmelodie. Beim alliierten Luftangriff in der Nacht des 14. April 1945 wird die Garnisonkirche wie Teile der Innenstadt weitegehend zerstört.
1871 wurde in Folge des Sieg Preußens im Deutsch-Französischen Krieg das Deutsche Kaiserreich als neue Großmacht in Europa gegründet. Potsdam wurde Ort der „Heeresleitung“. In der Garnisonkirche erhielten die Trophäen des Krieges von 1870/71 Einzug. 1884/85 erwarb Deutschland mehrere Kolonien. Mit Amtsantritt Kaiser Wilhelm II. 1888 wurden das deutsche Expansionsstreben und die Aufrüstung forciert, zwischen 1894 und 1918 führte das Deutsche Kaiserreich mehrere Kolonialkriege, während derer es auch zu dem Völkermord an den Hetero und Nama kam. Im August 1914 unterzeichnete Kaiser Wilhelm II. in Potsdam die Kriegserklärung gegen die Entente-Mächte. Zum Kriegsende beendet die Novemberrevolution 1918 die Monarchie.
Der preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. ließ die protestantische Hof- und Garnisonkirche Potsdam in den Jahren 1730–1735 nach Plänen des Architekten Philipp Gerlach erbauen. Dieser Bau löste die erst ein Jahrzehnt zuvor fertiggestellte Vorgängerkirche in Fachwerkbauweise ab. Die Kirche hatte eine Sonderstellung inne, da sie dem direkten König von Preußen unterstand. Sie stand für den Schulterschluss von Kirche, Staat und Militär. Nach der Fertigstellung der Kirche zogen die evangelische Militärgemeinde, hauptsächlich Angehörige des Leibregiments der Langen Kerle, und die deutsch-reformierte Zivilgemeinde ein. Friedrich Wilhelm I. ließ den Bau noch im Jahr der Fertigstellung mit dem Einbau einer Gruft mit Kanzel ergänzen, in welcher er nach seinem Tod 1740 beigesetzt wurde. 1786 wurde hier auch sein Sohn und Nachfolger Friedrich II. gegen seinen eigenen Willen bestattet. Unter König Friedrich Wilhelm III. begann man ab 1807 damit, in der Garnisonkirche Ehrentafeln für gefallene Soldaten und vergangene Kriege einzuweihen. Ab 1816 wurden in der Kirche erbeutete Kriegstrophäen ausgestellt.
Die historische Garnisonkirche Potsdam wurde in den Jahren 1730–1735 errichtet und diente allen protestantischen Militärangehörigen der Garnisonstadt Potsdam als Gemeindekirche bis ins Jahr 1945. Im April 1945 durch den Luftkrieg schwer beschädigt, wurde die Kirche 1968 abgerissen. An ihrer Stelle wurde ein Datenverarbeitungszentrum erbaut. Ihre Zivilgemeinde nannte sich 1949 in Heilig-Kreuz-Gemeinde um und bestand bis Ende 2018 als eigenständige Gemeinde fort.
Die Garnisonkirche Potsdam, 1730–1735 erbaut, 1945 schwer beschädigt und 1968 abgerissen, war für über 200 Jahre ein wichtiger Symbolbau und soll nun – in Teilen oder in Gänze – wieder errichtet werden. In der ambivalenten Geschichte Preußens repräsentiert sie dessen problematische Seite: Sie steht nicht für Aufklärung, Emanzipation und Liberalität, sondern für Dynastie und Gehorsam, sie steht nicht für Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung, sondern für Expansionsstreben und Machtanspruch, sie steht nicht für Bildung und Wissenschaft, sondern für Militär und Staatskirche, sie steht nicht für den demokratischen Freistaat Preußen der Weimarer Republik, sondern für die antidemokratischen Kräfte des Deutschen Reichs.
Der 2017 begonnene Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam soll nicht zuletzt dazu dienen, hier einen Lernort deutscher Geschichte zu schaffen. Doch bislang wurde dieses Versprechen nicht eingelöst, im Gegenteil: Die Befürworter*innen und die Trägerin des Vorhaben zeichnen bis heute ein geschöntes und teils verfälschtes Bild von der Geschichte des Ortes. Dem will diese Seite entgegentreten und über die Historie des Ortes aufklären. Mehr lesen