Finanznot bei der Stiftung Garnisonkirche – die Verantwortung liegt bei der Landeskirche

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Stellungnahme des Lernorts Garnisonkirche,

Potsdam, den 28.11.2025

Während die Stiftung Garnisonkirche vor Baubeginn noch vielfach versprochen hatte, ohne jeden Zuschuss den Betrieb aus eigenen Einnahmen abzudecken, tut sie jetzt so, als ob dies eine Zumutung wäre. Stiftungsvorstand Peter Leinemann sagte dieser Tage, „kein anderer Kulturort in der Stadt müsse sich ohne Hilfe öffentlicher Institutionen finanzieren. Doch angesichts der Bildungs- und Friedensarbeit vor Ort habe auch der als Projekt von nationaler Bedeutung errichtete Turm eine solche dauerhafte Förderung verdient.“

Wir möchten daran erinnern, dass die Stiftung Garnisonkirche Potsdam der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im April 2017 mündlich wie schriftlich zugesichert hatte, dass die Kosten für den künftigem Betriebs des Turmes einschließlich Darlehnensrückzahlungen mit den Einnahmen aus den Turmbesteigungen, von ihr „moderat geschätzt auf 80.000 jährlich“, und mit den sonstigen Einnahmen gedeckt seien. Gleiches sicherte Bischof Markus Dröge der Synode der Evangelischen Kirche Berlin Brandenburg Oberlausitz im Frühjahr 2016 zu. Sowohl für die BKM wie die EKBO war diese verbindliche Zusicherung die Voraussetzung, um Mittel zur Finanzierung von Bauinvestitionen bereitzustellen.

Doch bevor dieses Geld überhaupt abgerechnet ist, gilt das alles nicht mehr. Der Vorstand der Stiftung will von seinem früheren Zahlenwerk nichts mehr wissen und behauptet, von nur 60.000 Gästen ausgegangen zu sein. Er tut so, als ob die von ihm genannten höheren Zahlen von böswilligen Kritikern und der Presse erfunden worden seien.

Es geht nicht um inhaltliche Arbeit

Wer meint, mit der von Bischof Stäblein und der Stiftung Garnisonkirche vom Bund nun dreist eingeforderten „Sockelfinanzierung“ gehe es um die Absicherung inhaltlicher Arbeit, wird erneut getäuscht. Denn die Programmarbeit wird bereits vielfältig gefördert. Laut Website sind es mindestens acht, meistens öffentliche Geldgeber, die die Bildungsarbeit der Stiftung finanzieren.

Und Stiftung und Kirchenleitung hatten 2016 die im Nutzungskonzept von 2005 noch vorgesehen Gelder für Bildungsarbeit selbst vollständig gestrichen. Niemand außer den oft verächtlich gemachten Kritikern störte sich damals daran. Vor Baubeginn entfielen sowohl die Stelle für eine PädagogIn / Wissenschaftliche MitarbeiterIn als auch die Sachmittel für die Bildungsarbeit. Wegen dem fehlenden bzw. unzureichenden Engagement der Stiftung auf dem Gebiet der historischen und politischen Bildung hat sich der Lernort Garnisonkirche vor fünf Jahren gegründet.

Gezielt falsche Auskünfte

Das finanzielle Dilemma der Stiftung besteht nicht in ihrem Bildungsprogramm, sondern in der Unmöglichkeit, ein 50 Mio. Euro teures, mit 1000 qm Nutzfläche kaum sinnvoll nutzbares Gebäude zu betreiben und instand zu halten.

Kritik durch den Lernort Garnisonkirche

Bereits nach der Veröffentlichung der Kritik des Bundesrechnungshofs hat der Lernort Garnisonkirche im Februar 2022 darauf hingewiesen, dass die damals akute Finanzierungslücke für den Bau des Turms nur die Spitze des Eisbergs ist. Als Kernproblem des Projekts wurde der dauerhaft defizitäre Betrieb benannt.

Wir hatten klargestellt, dass der Betrieb des Turms keinen Überschuss erzeugt, mit der die eingegangenen Kreditverbindlichkeiten bedient werden könnten. Wir wiesen darauf hin, dass im Gegenteil „von einem dauerhaften Defizit von über einer halben Million Euro im Jahr auszugehen [ist], denen keine Einnahmen zur Deckung gegenüberstehen“. (Quelle: Millionengrab Garnisonkirche Potsdam: Spendenbetrug und Betriebsdefizit, 26. Februar 2022)

Die Stiftung hat dieses Defizit jahrelang durch falsche Angaben gezielt verschleiert. Sie hat zukünftige Einnahmen ohne solide Basis viel zu hoch angesetzt, und entstehende Kosten verschwiegen. Soweit öffentlich bekannt, hat eine im Frühjahr 2022 vom damaligen Oberbürgermeister Mike Schubert geforderte und ihm von der Stiftung auch zugesagte unabhängige Prüfung der Betriebsfinanzierung nie stattgefunden.

Verantwortung liegt bei der Landeskirche

Für das finanzielle Desaster trägt alleine die Stiftung Garnisonkirche und die Leitung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg schlesische Oberlausitz (EKBO) die Verantwortung. Gegen innerkirchliche Widerstände haben die Bischöfe Wolfgang Huber und Markus Dröge das umstrittene Vorhaben durchgesetzt und das Geschäftsgebaren der Stiftung gedeckt. Die geschönten Angaben der Stiftung zu ihren Kosten und Einnahmen wurden nicht ernsthaft geprüft, sondern von der Kirchenleitung breitwillig übernommen. Dabei obliegt ihr in doppelter Weise die Verantwortung zur Prüfung: Sie stellt den Vorsitz im Aufsichtsgremium der Stiftung, und ihr untersteht die kirchliche Stiftungsaufsicht durch das Konsistorium.

Die von Bischof Stäblein angesprochene Exit-Strategie sollte nicht dazu führen, dass sich Stiftung und EKBO ihrer Verantwortung entziehen. Es liegt nicht in der Verantwortung des Steuerzahlers, für die Misswirtschaft der Stiftung Garnisonkirche geradezustehen.

Einstweilen fehlt der Stiftung ein Verständnis für die eigene Verantwortung. Dies zeigt sich nicht nur in der atemberaubenden Dreistigkeit ihrer Forderungen, sondern ebenso darin, dass sie die Bau- und Betriebskosten des Vorhaben unbeirrt in die Höhe treibt. Trotz ihrer desaströsen finanziellen Lage hat sie erst kürzlich die umstrittene Turmhaube beauftragt, die im Sommer 2027 errichtet werden soll.

Prof. Dr. Gabriele Dolff-Bonekämper, Prof. Dr. Geoff Eley, Prof. Dr. Manfred Gailus, Prof. Dr. Karen Hagemann, Prof. Dr. Horst Junginger, Dr. Annette Leo, Prof. Dr. Philipp Oswalt, Prof. Dr. Andreas Pangritz, Dr. Agnieszka Pufelska,

Online seit: 28. November 2025

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