Historische Garnisonkirche

Die historische Garnisonkirche Potsdam wurde in den Jahren 1730–1735 errichtet und diente allen protestantischen Militärangehörigen der Garnisonstadt Potsdam als Gemeindekirche bis ins Jahr 1945. Im April 1945 durch den Luftkrieg schwer beschädigt, wurde die Kirche 1968 abgerissen. An ihrer Stelle wurde ein Datenverarbeitungszentrum erbaut. Ihre Zivilgemeinde nannte sich 1949 in Heilig-Kreuz-Gemeinde um und bestand bis Ende 2018 als eigenständige Gemeinde fort.

„Gott mit uns!“

Ein Symposion zum schwierigen Erbe des Nationalprotestantismus, 1./2. Oktober 2021 im Dietrich Bonhoeffer Haus, Berlin

Die Potsdamer Garnisonkirche, deren Kirchturm gegenwärtig wieder aufgebaut wird, steht nach Ansicht der Bauherr*innen für „christlich verantwortetes Handeln für die Gemeinschaft, für die Verbindung von christlichem Glauben und ‚preußischen Tugenden.‘“ Was ist damit gemeint? Und ist die Begründung für die Wiedererrichtung der Garnisonkirche als nationaler Erinnerungsort der Bundesrepublik Deutschland überzeugend? Das Symposium will die Frage

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Der Garnison- und Hofprediger Max Schmidt. Von den Kolonialkriegen nach Potsdam und Leipzig

Hermann Düringer

Der Militärpfarrer und Hofprediger Max Schmidt war nach seiner Tätigkeit als Feldprediger in den Kolonialkriegen in China und Südwest-Afrika an der Garnisonkirche in Potsdam tätig. Dieser Text zeigt unter anderem erstmalig auf, was die Garnisonkirche Potsdam mit dem Völkermord an den Herero und Nama zu tun hat.

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Predigerworte für Deutsche Gotteskrieger

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Nationalsozialismus predigten Pfarrer der Garnisonkirche einen Nationalprotestantismus, der den Krieg, das Abendland und Deutschland verherrlichte, unbedingten Gehorsam und Opfergeist einforderte und Kaiser und Führer göttlich legitimierte. Ausgewählte Zitate aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentieren exemplarisch diese Ideologie.

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Garnisonpfarrer Kessler erinnert sich an den Tag von Potsdam

Johannes Kessler

Die Mitwirkung des Superintendenten Otto Dibelius an der Konzeption und Durchführung des Tags von Potsdam stand nicht isoliert. Auch andere wichtige Kirchenvertreter begrüßten die nationalsozialistische Machtergreifung und deren Bezugnahme auf die Tradition der Garnisonkirche Potsdam. Der von 1893 bis 1908 an der Garnisonkirche Potsdam tätige Hofprediger und Garnisonpfarrer Johannes Keßler denkt in seinen Lebenserinnerungen begeistert an den Tag von Potsdam zurück.

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Predigt zur Niederschlagung des Boxeraufstands

Johannes Kessler

Ende Juni 1900 wurde das Ostasiatische Reiter-Regiment in Potsdam als Teil des 17.000 Mann umfassenden Ostasiatischen Expeditionskorps zur Niederschlagung des Boxeraufstands aufgestellt. Der Garnisonpfarrer und Hofprediger der Garnisonkirche Potsdam Johannes Keßler hielt zum Abschied eine martialische Predigt, in der er für den „tausendjährige Kampf zwischen Morgen- und Abendland“ forderte, dass es keinen Friede geben dürfe, „bis das heilige Evangelium der Glaube aller Völker ist.“ Einen Tag später hielt Kaiser Wilhelm II. bei der Einschiffung der Truppen nach China seine berüchtigte Hunnenrede.

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Ein großes, freudiges „Ja“ und ein kleines, leicht überhörbares „Nein“.

Manfred Gailus

Am „Tag von Potsdam“ feierte und bejubelte eine Hälfte der Gesellschaft ihren „nationalen Aufbruch“, während die andere Hälfte der Gesellschaft im Begriff stand, ausgeschlossen, gefesselt, mundtot gemacht und vertrieben zu werden. Und die Kirchen spielten dieses böse Spiel der Exklusion mit, erfüllt von ebenso egoistischen wie trügerischen Hoffnungen.

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Dibelius‘ Rückblick auf den Tag von Potsdam

Dr. O. Dibelius

Otto Dibelius‘ eigener Rückblick auf den Tag von Potsdam belegt zweifelsfrei: Er hat als leitender Kirchenvertreter an diesem Tag keine kritische, gar widerständige Position eingenommen – im Gegenteil.

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Pfarrer Johannes Kessler (1893-1907)

Thomas Posern

„Diese Männergemeinde hat mich immer wieder verpflichtet, ein freudiges, männliches, heldisches Christentum zu predigen,“ schreibt Johannes Keßler zu seiner Zeit als Pfarrer und Hofprediger an der Garnisonkirche Potsdam. Er vertrat eine deutschnationale, monarchistische und antijudaistische Theologie und wirkte als Wegbereiter des Nationalsozialismus.

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„Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?“

Otto Dibelius

Unter diesem Motto hielt Generalsuperintendent Otto Dibelius zur Reichstags-Eröffnungsfeier am 21.3.1933 in Potsdam, dem sogenannten „Tag von Potsdam“, die offizielle Predigt in der Nikolaikirche. Die Predigt ist ein bitteres Dokument des moralischen Versagens der evangelischen Kirche. Zuvor hatte Dibelius zudem gegen innerkirchliche Widerstände durchgesetzt, das der Festakt mit Hitlers Ansprache in der Garnisonkirche stattfindet.

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Die Potsdamer Hof- und Garnisongemeinde (1732-1918)

Hartmut Rudolph

Die Geschichte der Garnisonkirche Potsdam – eine „militärische Stiftung“ – war von Anfang an von der Bereitschaft der Institution Kirche geprägt, dem Militärischen Vorrang vor dem genuin Kirchlichen einzuräumen. Inhalte und Zielsetzungen des kirchlichen Handelns folgten einem vom Militarismus geprägten Gesellschafts-, Politik-¬ und Menschenbild.

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Der Fall der Garnisonkirche 1968 und ihre Vorgeschichte

Matthias Grünzig

Immer wieder heißt es, Walter Ulbricht als Vertreter der Staatsführung der DDR habe aus Preußen- und Kirchenhass den Abriss der Ruine der Garnisonkirche 1968 angewiesen. Doch wie das Studium der damaligen Akten zeigt, waren die Verantwortlichen und Gründe für die Zerstörung des Denkmals andere.

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Eine Keimzelle des Widerstandes?

Linda von Keyserlingk

Seitens der Befürworter des Wiederaufbaus der Garnisonkirche heißt es immer wieder, hier hätten die Hitler-Attentäter des 20. Juli ihr Gewissen geschärft. Doch die Kirche stelle keine Keimzelle des Widerstands dar. In ihr wurde wie eh und je zu Gehorsam erzogen, wie die Forschung am militärhistorischen Museum der Bundeswehr aufzeigt.

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Offene Fragen zur Militärkirche

Philipp Oswalt

Die Potsdamer Garnisonkirche bot im Inneren 3.000 Personen Platz für die Teilnahme am Gottesdienst. Als Militärkirche diente sie den in Potsdam stationierten protestantischen Soldaten. Sie schwor ihre Kirchgänger auf Treue und Gehorsam gegenüber Gott und ihrem weltlichen Herrscher ein. Waffen und Soldaten wurden hier gesegnet, Die Geschichte hiervon ist bislang so gut wie nicht erforscht:

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Freiraum und Friedensforum. Heilig-Kreuz-Gemeinde 1968 – 1990

Matthias Grünzig

Weitestgehend vergessen ist die Geschichte der ehemaligen Zivilgemeinde der Garnisonkirche nach der Sprengung der Ruine 1968. Diese hatte sich in Abgrenzung von ihrem Erbe bereits 1949 zur Heilig-Kreuz-Gemeinde umbenannt. Ab 1972 praktizierte sie zwei Jahrzehnte lange eine engagierte und oft auch regimekritische Friedensarbeit im Heilig-Kreuz-Haus.

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„Der Geist von Potsdam“ gegen den „Geist von Weimar“

Matthias Grünzig

Die Garnisonkirche war in der Weimarer Republik ein nationaler Symbolbau der extremen Rechten. Hier versammelten sich Nationalisten, Militaristen und Antisemiten aller Couleur aus und hetzten gegen die junge Demokratie.

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