Das Wiederaufbauprojekt

Die Initiative zum Wiederaufbau ging 1984 zunächst von der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel (TPG) um den rechtsgerichteten Bundeswehroffizier Max Klaar aus. Diese ließ bis 1987 das Glockenspiel der Kirche auf der Kaserne in Iserlohn schrittwiese nachbauen und schenkte es 1990 der Stadt Potsdam. Im September 2019 wurde es aufgrund rechtslastiger Inschriften nach 18 Jahren abgestellt.

Nach anfänglicher Ablehnung des Wiederbaus der Garnisonkirche griff die evangelische Kirche dieser Idee im Jahr 2000 auf, als die wichtigsten politischen Entscheidungsträger das Projekt bereits unterstützen. Im Jahr 2004 erfolgte der „Ruf aus Potsdam“ zum Wiederaufbau, 2008 die Gründung der kirchlichen Stiftung Garnisonkirche Potsdam. Das Versprechen der Initiatoren, dass Projekt durch Spenden zu finanzieren ging nicht auf. Die öffentliche Hand ist mit mehr als 23 Mio. € größte Geldgeberin.

Rebranding auf Basis von Geschichtsverfälschung

Philipp Oswalt

Die Idee des Wiederaufbaus der Garnisonkirche bedurfte eines Rebrandings der Garnisonkirche, um hierfür politische und kirchliche Mehrheiten gewinnen zu können. Maßgeblich war dabei weniger die Strategie des Bruchs und der Veränderung. Viel wesentlicher in der Auseinandersetzung war die Durchsetzung eines neuen Geschichtsbildes, welches auf gezielten Auslassungen, Überformungen und Verfälschungen beruht. Analyse eines Geschichtsrevisionismus.

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Die Entwicklung des Nutzungskonzeptes 2000 – 2020

Philipp Oswalt

Das Nutzungskonzept für den Wiederaufbau ist nach wie vor erheblich von Ideen geprägt, die Max Klaar und die Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel dem Bischof Wolfgang Huber im Sommer 2000 unterbreiteten. Die im kirchlichen Nutzungskonzept „Spirit of Change/ Veränderung ist möglich“ von 2001 vorgesehenen Veränderungen im Sinne eines Bruchs mit der Vergangenheit wurden in den Folgejahren auf Druck rechtskonservativer Kreise schrittweise in wichtigen Teilen wieder zurückgenommen.

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Das Iserlohner Glockenspiel

Philipp Oswalt

Nach achtzehnjährigem Betrieb wurde das nachgebaute Glockenspiel wegen seiner rechtslastigen Inschriften im Herbst 2019 abgestellt. Doch wie kam es zu diesen Inschriften? Und aus welchem Gedankengut entstand das Glockenspiel, welches das Initial für das Wiederaufbauprojekt in Potsdam bildete?

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Konzept für einen Lernort – Revision eines nicht eingelösten Versprechens

Philipp Oswalt und Steffen Schuhmann

Im Herbst 2019 hat Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) eine politische Debatte initiiert zu der Frage, wie es mit dem Projekt Garnisonkiche nach dem Turmbau weiter gehen soll. In Folge dessen entstand ein neuer Vorschlag, an die ursprünglichen Ideen der evangelischen Kirche anzuknüpfen, einen Lernort zu schaffen und in der äußeren Erscheinung des rekonstruierten Kirchturms einen sichtbaren Bruch zu verdeutlichen.

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Rechtsradikale Einschreibungen in das Projekt der Garnisonkirche Potsdam

Philipp Oswalt, Marie Schäffer, Lutz Boede, Gerd Bauz, Achim Saupe

Basierend auf umfangreichen Recherchen in staatlichen und kirchlichen Archiven in Berlin, Potsdam, Frankfurt Main und Iserlohn befasst sich Vortrag und Diskussion im Potsdam Museum im Januar 2020 nicht nur mir der Frage, wie es zu den Inschriften gekommen ist, sondern wie die rechtslastige Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel das Wiederaufbauprojekt bis heute maßgeblich mit geprägt hat.

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