Debatten

Seit Aufkommen der Idee zum Wiederaufbau der Kirche am westdeutschen Bundeswehrstandort Iserlohn im Jahr 1984 ist diese heftig umstritten. In Iserlohn wie auch ab 1990 in Potsdam wandten sich zunächst Kirchenkreise gegen das Vorhaben, deren Kritik sich Antimilitarist*innen und linke und liberale Kräfte mit weiteren Argumenten und Sichtweisen anschlossen. Die Kontroverse betrifft das Geschichtsverständnis, das Verhältnis zum preußischen Erbe an diesem Ort, zu Militär und Kirche, die symbolische Bedeutung von Architektur, die Idee der Versöhnung und die angemessene Form der Erinnerung und der politischen Bildungsarbeit. Auch mit Baubeginn 2017 ist dieser Meinungsstreit nicht abgeebbt. An dieser Stelle möchten wir einige uns besonders relevant erscheinende Debatten dokumentieren und weiterführen.

„Gott mit uns!“

Ein Symposion zum schwierigen Erbe des Nationalprotestantismus, 1./2. Oktober 2021 im Dietrich Bonhoeffer Haus, Berlin

Die Potsdamer Garnisonkirche, deren Kirchturm gegenwärtig wieder aufgebaut wird, steht nach Ansicht der Bauherr*innen für „christlich verantwortetes Handeln für die Gemeinschaft, für die Verbindung von christlichem Glauben und ‚preußischen Tugenden.‘“ Was ist damit gemeint? Und ist die Begründung für die Wiedererrichtung der Garnisonkirche als nationaler Erinnerungsort der Bundesrepublik Deutschland überzeugend? Das Symposium will die Frage

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Lasst uns in Frieden, wir reden doch vom Frieden!

Ein Kommentar von Philipp Oswalt

Heute wird am Ort der Garnisonkirche für Frieden gebetet. Und am Sockel des wiederaufgebauten Kirchturm findet sich der in Stein gemeißelte Spruch: „Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“. Das ist doch gut, da ist keine Rede mehr vom Militarismus, von Waffengang und Obrigkeitstreue. Ein neuer Geist weht hier. So reagieren viele, wenn man

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Eine polnische Betrachtung

Agnieszka Pufelska

Während in Polen der preußische Staat als einer der wichtigsten Referenzpunkte deutsch-polnischer Geschichte gilt, findet die deutsche Preußen-Wahrnehmung meist ohne Erwähnung Polens statt. Das beste Beispiel für diese ausgrenzende Vereinnahmung der Erinnerung an Preußen liefert das Projekt der Potsdamer Garnisonkirche.

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Keine Kirchturmhaube – Priorität für einen Lernort!

In einem offenen Brief sprechen sich knapp hundert internationale Wissenschaftler, Architekten, Künstler, Kirchenvertreter, Kulturschaffende und zivilgesellschaftlich Engagierte dafür aus, bei dem Wiederaufbau des Kirchturms der Garnisonkirche Potsdam auf den Nachbau der umstrittenen Turmhaube zu verzichten, da diese für einen problematischen Nationalprotestantismus steht.

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Kontroverse über neuen Lernort Garnisonkirche

Der Historiker Paul Nolte wirft den Initiatoren des Lernorts Wirklichkeitsverlust und Verschwörungstheorien vor. Die Kritiker des Wiederaufbaus kontern mit einem Aufruf zu sachlichen Argumenten und zum Dialog.

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Feedback zur Ausstellung im Rechenzentrum

Hier können Besucher des analogen Lernorts im Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum Kommentare und Feedback hinterlassen.

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Rebranding auf Basis von Geschichtsverfälschung

Philipp Oswalt

Die Idee des Wiederaufbaus der Garnisonkirche bedurfte eines Rebrandings der Garnisonkirche, um hierfür politische und kirchliche Mehrheiten gewinnen zu können. Maßgeblich war dabei weniger die Strategie des Bruchs und der Veränderung. Viel wesentlicher in der Auseinandersetzung war die Durchsetzung eines neuen Geschichtsbildes, welches auf gezielten Auslassungen, Überformungen und Verfälschungen beruht. Analyse eines Geschichtsrevisionismus.

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Das falsche Symbol, ein Zwischenruf

Heino Falcke

In seinem Beitrag von 2015 befasst sich der einst in Kirche der DDR engagierte Probst mit den Konzepten eines Versöhnungs- und Friedenszentrum für den Wiederaufbau der Garnisonkriche. Hierbei kritisiert er den Ruf aus Potsdam und Wolfgang Hubers Argumentation

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Editorial zur Einführung der Website im Juni 2020

Herzlich willkommen auf der neuen Website www.lernort-garnisonkirche.de. Wir wollen mit Texten, Videos und Dokumenten über die verschiedensten Facetten des Ortes der ehemaligen Garnisonkirche informieren. Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf der Geschichte des historischen Baus und seiner Gemeinde. Uns geht es hierbei nicht um die illustre Abfolge  prominenter Besucher– von Bach über Napoleon und bis Mussolini- , sondern um das Alltagsgeschehen der Kirche: Was wurde hier den Menschen gepredigt, wie erfolgte die Kirchenarbeit? Wofür wurde die Kirche tagein-tagaus genutzt? Und hier zeigt sich wenig, auf das wir heute stolz sein können, sondern eine unselige Traditionslinie von Herrscherhaus, Militär und Kirche, die – auch ganz ohne den Tag von Potsdam – zu den dunkelsten Seiten Preußens, Deutschlands und des Christentums gehört. Zu den erfreulicheren Facetten der Geschichte gehört die meist wenig gewürdigte Arbeit der Zivilgemeinde nach 1945, welche den Abriss überdauerte, die aber nach 1990 marginalisiert 2018 ihre Eigenständigkeit verlor.

Die Bemühungen um den Wiederaufbau reichen inzwischen fast vier Jahrzehnte zurück und sind selbst zu einer eigenen Geschichte geworden, die wir in einem eigene Menüpunkt dokumentieren, analysieren und reflektieren wollen. Den Gegenpol hierzu bildet das Rechenzentrum: Einst quasi wie ein Gegenbau zur Garnisonkirche errichtet, zwischenzeitlich für den Abriss bestimmt und seit einigen Jahren zu einem Kunst- und Kreativzentrum entwickelt. Selten stehen sich zwei entgegengesetzte Geisteshaltungen und Milieus auf so engem Raum gegenüber und ergänzen sich zu einem Gesamtbild, welche nicht nur das Spannungsfeld des heutigen Potsdams, sondern auch einer nationalen Kontroverse aufzeigt.


Die Intensität der Auseinandersetzung um das Wiederaufbauprojekt läßt sich nur verstehen, weil es sich um einen Symbolbau handelt, der weit über das Lokale hinausreicht. In dem Für und Wider spiegeln sich grundlegendes Fragen unseres gesellschaftlichen Selbstverständnisses. Im Menüpunkt „Kontexte“ wollen wir daher Beiträgen Raum geben, die nicht den Ort fokussieren, sondern sich diese größeren Fragen und Zusammenhängen widmen. Hier beginnen wir mit Texten zur preußischen Staatsidee, zur Kirche und den Hohenzollern im Nationalsozialismus sowie zur Potsdamer Stadtentwicklung seit 1990.

Der Menüpunkt „Debatte“ ist meinungsfreudigen Beiträgen gewidmet und Kontroversen im Sinne von Rede und Gegenrede. Leider konnten wir unseren Wunsch nach Meinungsvielfalt hierbei noch nicht wie gewünscht umsetzen, weil Autoren wie Wolfgang Huber und Paul Nolte bislang nicht bereit waren, eigene Texte für eine Veröffentlichung auf dieser Seite zur Verfügung zu stellen. Das bedauern wir.

Einige Beiträge sind Erstveröffentlichungen, ein guter Teil aber – wie stets ausgewiesen – bereits zurvor anderswo publiziert. Mit diesen Seiten wollen wir diese zerstreuten Inhalte an einem Ort leicht verfügbar machen. Diese Webplattform soll kontinuierlich weiterentwickelt werden. Im viertel- bis halbjährigem Zyklus wollen wir die Seite mit einer Reihe neuer Beiträge ausbauen. Wir freuen uns über Beiträge sowie Vorschläge zu Texten, Bildern und Materialien, ob bereits vorhanden oder noch zu entwickeln. Alle Leser*innen wollen wir zudem ermuntern, Beiträge sachlich zu kommentieren.

Ihre Herausgeber*innen und Redaktion

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Eine gotteslästerliche Bude/ Heilen mit Steinen

Christoph Dieckmann versus Irgmard Schwaetzer

Seit Luther gegen Kaiser und Papst seinen Schutzfürsten Friedrich den Weisen brauchte, hat sich die evangelische Kirche Staatsdoktrinen angedient – ausgenommen in der DDR. Aber ein Soldatentempel gehört nicht zur Versöhnungsgeschichte des Evangeliums. Er zählt zur Missbrauchsgeschichte der Sakralisierung von Nation und Krieg. Eine theologische Polemik, der die Vorsitzende der Evangelsichen Kirche Deustchland (EKD) in einem Folgebeitrag widerspricht.

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Ein Streitgespräch

Statements von Matthias Sauerbruch, Wolfgang Huber und Philipp Oswalt, gefolgt von einer Diskussion mit Thomas Albrecht, Saskia Hüneke, Detlef Karg, Hildegard Rugenstein u.a.

Im Nachgang zum offenen Brief an den Bundespräsidenten von August 2019 organisierte die Akademie der Künste Berlin einen Diskussionabend am 4.12.2019. Zahlreiche Mitglieder hatten den Brief mit unterzeichnet, unter ihnen Prof. Jeanine Meerapfel, Präsidentin der AdK, Thomas Heise, Direktor der Sektion Film und Medienkunst und Prof. Matthias Sauerbruch, Architekt, Direktor der Sektion Baukunst.

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Wie lange noch? Was die Garnisonkirche Potsdam mit Rechtsradikalismus zu tun hat/ Worüber zu streiten lohnt. Was die Garnisonkriche Potsdam mit der deutschen Geschichte zu tun hat

Philipp Oswalt versus Paul Nolte

Im Frühjahr 2020 erschien in dem protestantischen Magazin Zeitzeichen eine Kritik am Wiederaufbauprojekt, welche dessen Protagonisten eine mangelnde Abgrenzung nach Rechtsaußen vorhielt. In seiner Replik sah der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirat diese Vorwürfe als abwegig an, und wollte andere Fragen diskutiert wissen.

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