Editorial Juni 2021: Themenschwerpunkt Nationalprotestantismus

Als „Bild für jeden Deutschen“ pries der Evangelische Bund diesen Druck an, der Martin Luther und Otto v. Bismarck „unter einer knorrigen Eiche als Streiter für deutsche Ehre, deutschen Glauben, deutsche Macht zeigt“. Die Nationalisierung des chrstslichen Glaubens und die Sakralisierung der Nation verstärkten sich wechselseitig.Q: Um 1890, Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz, Speyer.

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Die neuen, im Juni 2021 veröffentlichten Texte auf dieser Plattform führen den Themenschwerpunkt Nationalprotestantismus des Lernorts Garnisonkirche ein, dem dann auch eine Reihe von Veranstaltungen und Aktivitäten im zweiten Halbjahr 2021 gewidmet sind. Bislang hat in der Wiederaufbaudiskussion die kirchliche Tradition des Ortes kaum eine Rolle gespielt, die aber für diesen Ort deutscher Geschichte wesentlich war.

Welchen Glauben symbolisiert die Garnisonkirche Potsdam?

Die Garnisonkirche war in erster Linie ein Gotteshaus. Aber für welche Art des Glaubens stand sie? Und wie steht das Wiederaufbauprojekt zu dieser Glaubenstradition? Im Jahr 2003 schrieb Alexander Gauland als Herausgeber der Märkischen Allgemeinen Zeitung noch: Der evangelischen Kirche ist dieses Erbe peinlich. Erst wollte der Potsdamer Kirchenkreis den Bau gar nicht. Dann rang er sich dazu durch, ihn für ein „Internationales Versöhnungszentrum“ zu nutzen. Aber das ist alles Geschichte. Es gelang, dieses Gefühl der Peinlichkeit abzuschütteln. Bald entwickelte sich ein Stolz auf diesen Bau, und bei manchen auch auf seine Traditionen.

Was Kirche war, soll wieder Kirche sein. Der wiederaufgebaute Kirchturm wird nun – neben der touristischen Aussichtsplattform – eine Kapelle als Ort der Verkündigung des Wortes Gottes beherbergen. Die Betreiber*innen des Wiederaufbaus haben nicht unbedingt ein einheitliches Verständnis von der Kirchengeschichte dieses Orts. Aber sie haben einen kleinsten gemeinsamen Nenner: Christlicher Glaube ist per se etwas Gutes. Die Geschichte des Ortes mag zwiespältig sein. Aber das ficht den Glauben nicht an. Er wurde missbraucht, gar misshandelt, von NS-Regime, Bombenkrieg und SED-Diktatur. Oder auch von Wilhelm II., wie wenige auch noch einzuräumen bereit sind.[1]

Aber der Wesenskern der Garnisonkirche ist tadellos, ihr Bauherr war ein frommer, ja vorbildlicher Christ. Der Soldatenkönig sei friedliebend gewesen, habe „keinen einzigen Angriffskrieg“[2] geführt. In der Kirche sei durch die Vereinigung von Lutheranern und Reformierten „Toleranz ganz selbstverständlich geübt“[3] worden, und damit habe die Kirche einen „Beitrag zur Versöhnung zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Glaubensüberzeugungen“[4] geleistet. Zugleich stehe sie für die Versöhnung des Menschen mit Gott,[5] auf die der christliche Glaube sich gründet. Die hierzu erklingenden Worte seien zwar oft überhört worden, „weil die Botschaft von der Versöhnung sich nicht mit dem Geist der Zeit vertrug“, aber sie haben immer wieder auch Menschen ermutigt, „ihrem Gewissen zu folgen – bis hin zu denen, die sich zur Resistenz gegen das Hitler-Regime entschlossen.“[6] Diesen Worten pflichtet der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe bei: Als „Keimzelle des Widerstands gegen die braunen Verbrecher“ sei die Garnisonkirche der Ort gewesen, an dem „ihr Glauben gestärkt, ihr Gewissen geschärft und ihr Verantwortungsbewusstsein geformt wurde.“[7]

Für den langjährigen Schirmherren des Projektes, den brandenburgischen Innenminister Jörg Schönbohm, verkörperte die Garnisonkirche das Preußen des 18. Jahrhunderts. Als einer der modernsten Staaten der Welt habe dieser für religiöse Toleranz, Abschaffung der Folter, Pressefreiheit, Rechtsstaatsprinzip, Bescheidenheit, Pflichtbewusstsein, Friedensliebe, Bildung und Freiheit gestanden. Und „aus diesem Geist heraus soll [das Gotteshaus] wieder entstehen“.[8] Denn „die Garnisonkirche stand und steht für christliche Tugenden.“[9]

Ganz ähnlich sieht es auch der damalige Vorstandsvorsitzende der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau Burkhart Franck. Als Ort der „preußischen Tugenden, der protestantischen Ökumene und der sittlichen Grundlagen des öffentlichen Handelns“ habe die Garnisonkirche Symbolbedeutung. Und genau diese gelte es durch einen originalgetreuen Wiederaufbau wiederzugewinnen: „Die Kirche darf also nicht in ihrem Äußeren verfremdet werden und damit ihren Charakter, ihre Aussagekraft und ihre Anziehungskraft verlieren.“[10] Und weiter: „Die Garnisonkirche ist derjenige Ort, der wie kein anderer in Deutschland zeigt, dass christlich verantwortliches Handeln die Politik weder aussparen kann oder darf.“[11]

In gleicher Weise beschwor Francks Vorstandskollege Andreas Kitschke schon Jahre zuvor die „positiven Traditionen, die von dieser Kirche ausgingen.“[12] Die wiederaufgebaute Kirche solle gemäß der Darstellung der Fördergesellschaft im Jahr 2006 als Symbolbau und Wahrzeichen Preußens „ein Ort der sittlichen und geistigen Standortbestimmung sein“ und „zur Beantwortung der Frage einladen, wie öffentliches Handeln aus christlichem Glauben abgeleitet werden kann und auf welche Werte (Preußische Tugenden) wir dabei zurückgreifen können.“[13] Auch zehn Jahre später lässt sie verlauten, die Garnisonkirche sei „der zentrale Ort der preußischen Identität“ und stehe „für christlich verantwortetes Handeln für die Gemeinschaft, für die Verbindung von christlichem Glauben und ‚preußischen Tugenden‘.“[14]

Der Tag von Potsdam hingegen war – so Andreas Kitschke – eine „Dreiviertelstunde des Missbrauchs“[15] in der so positiv gezeichneten 200-jährigen Kirchengeschichte. Der Potsdamer Stadtverordnete Wieland Niekisch (CDU) bezeichnet den Tag als „ein Unglück, […] da haben sich Kreise, damals auch in Potsdam, verführen lassen.“ Und die Antwort darauf: „Eine Kirche und eine kirchliche Nutzung ist die beste Grundlage, wirklich wahr, sich abzuschotten gegen ideologischen und auch politischen Missbrauch.“ [16] Er folgt damit der Position von Max Klaar aus dem Jahr 2001 – „Jesus Christus ist Konzept genug“[17] –, dass sich im Zentrum des wiederaufgebauten Kirchturms eine Kapelle als Ort der Verkündigung befindet, und eben kein Ort einer kritischen Auseinandersetzung mit der Kirchengeschichte[18].

Eine Walhalla deutscher Gotteskrieger

Doch die Behauptung, dass christlicher Glaube vor politischem Missbrauch schütze, widerspricht jeder historischen Erfahrung an diesem Ort. Leider ist die Garnisonkirche spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts bitteres Beispiel für das Wirken des deutschen Nationalprotestantismus, der für Antisemitismus, Frankophobie, Polenhass, völkisches Denken, Rassismus, Militarismus, Demokratiefeindlichkeit und Obrigkeitsgehorsam stand. Spätestens seit der Berufung von August Ludwig Bollert im Jahr 1847 zum Hof- und Garnisonprediger der Garnisonkirche Potsdam haben nahezu alle dort wirkenden Pfarrer solche Haltungen gepredigt und Völkermord, Angriffskriege, Kriegsverbrechen und Völkerhass als Vertreter der evangelischen Kirche religiös legitimiert und gesegnet.

Es ist unerklärlich und unverantwortlich, dass die Evangelische Kirche trotz einer dreißigjährigen Kontroverse über den von ihr betrieben Wiederaufbau nicht bereit war, sich ihrer eigenen Geschichte an diesem Ort zu stellen und diese kritisch zu erforschen und aufzuklären. Im Gegenteil. Sie hat die Arbeiten unabhängiger Historiker wie Manfred Gailus, Matthias Grünzig, Linda von Keyserlingk, Hartmut Rudolph und Reiner Zilkenat[19] weitestgehend ignoriert.[20] Stattdessen haben die Aufbaubefürworter sich an einem Geschichtsbild der Garnisonkirche orientiert, wie es auch der rechtsradikale Initiator des Bauvorhabens, der ehemalige Bundeswehroffizier und bekennende Christ Max Klaar formuliert hatte.[21] Für eine kritische Befassung mit der eigenen Kirchengeschichte sah man sich wiederholt als nicht zuständig an.[22] Auch das mit Unterstützung des Kirchenkreises Potsdam von der Historikerin Anke Silomon im Jahr 2014 vorgelegte Buch zur Geschichte der Potsdamer Garnisonkirche im 20. Jahrhundert hat hier kaum Abhilfe geschaffen. Sie verzichtete unter anderem auf eine Analyse der Predigten zu den Kolonialkriegen und dem Ersten Weltkrieg sowie auf eine präzise Untersuchung der Vorgänge zum Tag von Potsdam. Dies ermöglichte Altbischof Wolfgang Huber die euphemistische Äußerung im Vorwort, mit der er lediglich das „Fehlen eines starken Protests gegen den mörderischen Waffengang durch die Kirchen“[23] bedauerte. Doch längst war bekannt, dass zahlreiche Prediger spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts den menschenverachtenden preußisch-deutschen Militarismus mit ihrem protestantischen „Glauben“ sanktionierten, befürworteten und tatkräftig unterstützten. Doch die protestantischen Kriegstreiber wurden von den Wiederaufbaubefürworter*innen entgegen den historischen Fakten quasi zu Friedensengeln und Widerstandskämpfern stilisiert, sei es der Steigbügelhalter von Hitlers Machtergreifung Otto Dibelius[24], der NS-Pfarrer Rudolf Damrath[25] oder der Divisionsprediger Bernhard Rogge, der die Kriegsverbrechen schon zur Zeit der deutschen Einigungskriege ethisch rechtfertigte.[26] 

Die Initiative Lernort Garnisonkirche und ihr wissenschaftlicher Beirat haben daher im Herbst 2020 beschlossen, die theologischen Positionen der Pfarrer der Garnisonkirche Potsdam kritisch zu analysieren und zu debattieren und hierauf einen Themenschwerpunkt im Jahr 2021 zu legen. Dieser umfasst vor allem folgende Aktivitäten:

  • Eine zweitägige Tagung „‚Gott mit uns!‘ – Das schwierige Erbe des Nationalprotestantismus“ im Dietrich-Bonhoeffer-Haus Berlin am 1./2. Oktober 2021 mit Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung. Dem vorausgehend ein Vortragsabend in Kooperation mit dem Potsdam Museum am 14. September über den preußischen Generalsuperintendenten der evangelischen Kirche Otto Dibelius im Jahr 1933
  • Ein Projekt in Kooperation mit dem Projekt „Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt“ (https://www.dekoloniale.de) zur Verstrickung der Garnisonkirche in die Kolonialkriege des Deutschen Reichs am Herero-Tag am 23. August 2021
  • Ein Buch des Religionswissenschaftlers Horst Junginger, welches anhand des Adlermotivs, das auch den Turm der Garnisonkirche krönte, das Verhältnis zwischen preußisch-deutschem Machtstreben und Nationalprotestantismus von seinen Anfängen bis heute skizziert. Die bebilderte Publikation erscheint im September 2021 im Verlag spector books Leipzig und wird im Rahmen des sechsten Geburtstags des Kunst- und Kreativhauses Rechenzentrum dort vorgestellt.

Zur Einführung des Themenschwerpunkts veröffentlichen wir auf dieser Webseite die folgenden kritischen Analysen sowie Originaldokumente zum Nationalprotestantimus:

Bereits in der ersten Ausgabe des Lernorts vom Sommer 2020 adressierten Texte dieses Themenfeld, so von Christoph Dieckmann, Manfred Gailus, Matthias Grünzig, Linda von Keyserlingk, Hartmut Rudolph und Reiner Zilkenat. Die Forschungsarbeit wird fortgesetzt. Der Lernort Garnisonkirche trägt aus Archiven und Bibliotheken Originaltexte der Pfarrer der Garnisonkirche zusammen und analysiert diese in ihren biografischen, zeithistorischen und theologischen Kontexten. Herzlich rufen wir Wissenschaftler*innen dazu auf, sich an dieser gemeinschaftlichen Forschungsarbeit zu beteiligen (Kontakt: redaktion@lernort-garnisonkirche.de).

Im Juli 2021 werden auf der Webseite zudem eine Reihe weiterer neuer Texte veröffentlicht, die sich mit Themen wie dem Bauherrn Friedrich Wilhelm I., dem Kapp-Putsch, der Nacht von Potsdam und zeitgenössischer Kunst zur Geschichte des Ortes befassen.

Philipp Oswalt (Redaktion Lernort Garnisonkirche)


[1] Mit Bezug auf Martin Vogel spricht Matthias Platzeck vom dreifachen Missbrauch der Garnisonkirche durch Monarchie, Nationalsozialismus und Stalinismus. Siehe: Matthias Platzeck: Wiederaufbau als Mahnung, in: Reinhard Appel und Kitschke, Andreas, Hrsg., Der Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche (Köln: Lingen, 2006)., S. 23
[2] Johann-Peter Bauer: Der Wiederaufbau der Garnisonkirche – Bekenntnis und Verpflichtung, in: Appel und Kitschke, Andreas., S. 47
[3] Ebenda, und so auch viele andere, u.a. Manfred Stolpe: Der Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche ist notwendig, in: Appel und Kitschke, S. 32 oder auch Johann-Peter Bauer, Vorsitzender der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau in seinem Aufsatz: „Der Wiederaufbau der Garnisonkirche – Bekenntnis und Verpflichtung“, in: Appel und Kitschke, S. 47
[4] Reinhard Appel: Vorwort, in: Appel und Kitschke, S. 7
[5] Neben Appel formuliert dies auch Peter C. Bloth, evangelischer Theologe an der Humboldt-Universität und Mitglied der Synode der EKD. Siehe Peter C. Bloth: In: Die Garnisonkirche. Beiträge zu ihrem Wiederaufbau, Heft 3, hg. von Lutz Borgmann, Peter Leinemann, Potsdam 2005, S. 22
[6] Ebenda, S. 16
[7] Manfred Stolpe: Der Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche ist notwendig, in: Appel und Kitschke, S. 31/ 32
[8] Jörg Schönbohm: „Üb‘ immer Treu und Redlichkeit“, in: Appel und Kitschke, S. 35 – 37
[9] Üb‘ immer Treu und Redlichkeit. Interview mit dem Minister des Inneren des Landes Brandenburg Jörg Schönbohm zum Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche, in Loyal – Das deutsche Wehrmagazin, Juni 2000, wiederabgedruckt in Soldat im Volk, Juni 2000, S 152f.
[10] Burkhart Franck: Zur Symbolbedeutung, in: Appel und Kitschke, S. 96- 98
[11] Ebenda, S. 99
[12] Andreas Kitschke, Garnisonkirche, in: DIE KIRCHE – Berlin-Brandenburg, 17.12.2000
[13] Rundschreiben der Fördergesellschaft von Januar 2006, Vorlass Huber ELAB 144/1259.
[14] Flyer „Potsdamer Spitze“, ca. 2015.
[15] Andreas Kitschke, Garnisonkirche, in: DIE KIRCHE – Berlin-Brandenburg, 17.12.2000
[16] Potsdamer Stadtverordneter Wieland Niekisch (CDU) im Gespräch mit Michael Erbach, Hauptstadt TV, 16.1.2020. Bereits bei der Stadtratssitzung am 1.11.2000 sagte der Stadtverordnete Eberhard Kaputzse (CDU): „Und was gibt es Besseres gegen Missbrauch, als wenn es eben christlich-religiös genutzt wird?“
[17] Zitiert nach Papier für das Gespräch mit Herrn Oberstleutnant a.D. Max Klaar von Gregor Hohberg und Martin Vogel; Potsdam 15.5.2001, Vorlass Huber, ELAB 144/1260.
[18] Dieser ist in das dritte Obergeschoss verbannt, jenseits der Hauptbesucherströme.
[19] Siehe hierzu deren Veröffentlichungen auf der Website des kritischen Lernorts Garnisonkirche: http://lernort-garnisonkirche.de/?cat=2
[20] Im März 2021 hat die Stiftung Garnisonkirche Potsdam ihr Konzept für die künftige Dauerausstellung unter dem Titel „Glaube, Macht und Militär: Die Garnisonkirche Potsdam“ vorgelegt, die erstmals von dieser Praxis abweicht und ein kritisches Verhältnis zur Kirchengeschichte einnimmt. Doch bislang sind dieser Ankündigung noch keine weiteren Schritte gefolgt. Die öffentlichen Verlautbarungen von Stiftung und Fördergesellschaft sind seit 2004 von einem überwiegend positiven Geschichtsverständnis des Ortes geprägt.
[21] Siehe hierzu z.B. Bataillonskommandeur Max Klaar: Ansprache vor Fallschirmjägerbataillon 271, in: OTL Max Klaar, Hrsg., „Das Potsdamer Glockenspiel in Iserlohn. Festschrift zur Einweihung am 14. April 1986“ (Iserlohn, 1986), S. 21 – 28. Klaars religiöse Heimat war die Evangelische Notgemeinschaft, und er wurde von dem evangelikalen Wochenmagazin ideaSpektrum noch zuletzt 2014 unterstützt. Siehe dazu Matthias Pankau: Kommentar: Hat die Kirche kein Geld nötig? in: ideaSpektrum, Heft 18 vom 30.4.2014
[22] So verneint der Rundbrief der Fördergesellschaft von Januar 2006 das Ziel der „Vergangenheitsbewältigung“. Die Pfarrerin der Nagelkreuzkapelle Cornelia Radeke-Engst sah sich selbst als Gesprächspartnerin bei Fragen zur Kirchengeschichte als ungeeignet an und verwies auf nicht weiter benannte Historiker*innen. (E-Mail an den Autor vom 16.11.2019)
[23] Vorwort zu Anke Silomon: Pflugscharen zu Schwertern, Schwerter zu Pflugscharen. Die Potsdamer Garnisonkirche im 20. Jahrhundert, gefördert durch den Kirchenkreis Potsdam, Berlin 2014, S. 7
[24] Laut Jörg Schönbohm habe Dibelius die Garnisonkirche vor politischer Vereinnahmung erfolgreich bewahrt. Siehe Jörg Schönbohm: „Üb‘ immer Treu und Redlichkeit“, in: Appel und Kitschke, S. 39. Siehe dem gegenüber Matthias Grünzig, Für Deutschtum und Vaterland: die Potsdamer Garnisonkirche im 20. Jahrhundert, 1. Auflage (Berlin: Metropol, 2017). S. 141 – 170. Siehe auch die Originaltexte von Otto Dibelius zum Tag von Potsdam aus dem Jahre 1933, hier wieder veröffentlicht auf  http://lernort-garnisonkirche.de/?cat=2. Oder zu seinen Kriegspredigten im Ersten Weltkrieg exemplarisch: http://lernort-garnisonkirche.de/?p=1218
[25] Maria Luise Damrath bemüht sich in einem Buch der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau, ihren Vater Rudolf Damrath als Mitglied des Widerstands darzustellen. Maria Luise Damrath: Rudolf Damrath – Pfarrer der Garnisonkirche, in: Appel und Kitschke, S. 74-85. Siehe Demgegenüber: Grünzig. S. 208 – 214
[26] Andres Kitschke stellt die Kaiserproklamation in Versailles 1871 mit der Predigt des Garnisonkirchenpfarrers Bernhard Rogge als Akt christlicher Demut und Friedensliebe dar: Andreas Kitschke, Die Garnisonkirche Potsdam: Krone der Stadt und Schauplatz der Geschichte, hg. von der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam e.V. (Berlin: edition q im be.bra verlag, 2016). S. 166 – 168. Tatsächlich verteidigte Bernhard Rogge das Bombardement des belagerten Paris und die damit einhergehenden zivilen Opfer und fand Mitleid mit den leidenden Kindern, Greisen und Frauen verfehlt. Rogge freute sich bei der Kaiserproklamation, dass nicht Glocken, sondern „die Batterien unserer Belagerungsartillerie“ den großen Tag einläuten.“ Rückblickend schrieb er: „Ich halte es für eine falsche Sentimentalität, über den Schaden zu jammern, den unsere Soldaten so manchen Einwohnern zugefügt haben. Im Großen und Ganzen wird man es im Gegenteil bedauern müssen, daß Frankreich die Schrecken des Krieges noch lange nicht genug empfunden hat… Ja, hin und wieder wurde sogar eine etwas zu weit gehende Schonung geübt.“ Zitiert nach Tillmann Bendikowski, 1870/71 – der Mythos von der deutschen Einheit (München: C. Bertelsmann, 2020). S. 170, 171, 260, 270. Siehe u.a. auch Reiner Zilkenat: „Ihr seid die Pioniere des gekreuzigten Heilands!“ Die Prediger der Garnisonkirche im Kaiserreich und Ersten Weltkrieg, Vortrag vom 31.10.2015, veröffentlicht:  http://lernort-garnisonkirche.de/?p=404. Zu Rogges Kriegspredigten im Ersten Weltkrieg exemplarisch: http://lernort-garnisonkirche.de/?p=1218

Online seit: 7. Juni 2021

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Ein Kommentar zu “Editorial Juni 2021: Themenschwerpunkt Nationalprotestantismus

  1. Dass Rudolf Damrath als Oberpfarrer in Paris (1942-1944) General Stülpnagel bei seinen Plänen für den Fall eines erfolgreichen Attentats auf Hitler unterstützte ist nachweisbar durch einen von ihm durchgeführten Taufgottesdienst am 15. Mai 1944 in der Nähe von Paris (Mareil-Marly), zu dem Rommel als Pate eingeladen war, damit am Rande der Feier Stülpnagel unter vier Augen Rommel zu gewinnen suchte, in diesem Falle einen Waffenstillstand im Westen anzustreben. Die Eltern des Täuflings trugen entscheidend dazu bei, dass auf die (falsche) Nachricht von Hitlers Tod alle Gestapoleute von Parins verhaftet wurden, um anderntags hingerichtet zu werden. Fotos dieser Taufgesellschaft sind im Besitz der Familie Damrath. Französische Heimatforscher haben darüber 2019 einen Artikel in Marly Revue, 79-89 veröffentlicht. (Zusatz der Redaktion: Der Autor dieser Zeilen ist seit 1964 mit der Psychologin Dorothea Damrath verheiratet und somit offenkundig naher Angehöriger).