Architektur des Rechenzentrums

Christian Klusemann

Datenverarbeitungszentrum um 1980, Blick nach Nordosten /
Datenverarbeitungszentrum um 1980, Blick nach Nordosten / Reproduziert aus: Potsdam, herausgegeben von Potsdam Information, Text: Ursula Müller; Otto Höchst, Potsdam 1980.

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Ungeachtet der Diskreditierung als banaler „Plattenbau“ durch Teile der Öffentlichkeit ist das Potsdamer Rechenzentrum nicht nur gebaute Stadtgeschichte. Es eignet sich zugleich exemplarisch dafür, Herausforderungen für Architekt/innen sowie den widersprüchlichen Umgang mit dem historischen Erbe in Städtebau und Architektur der DDR aufzuzeigen.

Das 1969 bis 1971 durch ein Kollektiv um Sepp Weber für den VEB Maschinelles Rechnen[1] errichtete Datenverarbeitungszentrum[2] an der Ecke Dortustraße / Breite Straße setzte sich ursprünglich aus mehreren Baukörpern zusammen.[3] Der Eingang lag in einem von der Dortustraße zurückgesetzten Verbindungstrakt zwischen der zweigeschossigen Rechnerhalle[4] auf rechteckigem und dem fünfgeschossigen Verwaltungsbau auf quadratischem Grundriss. Diesem Bauteil war südöstlich ein flacher Kantinenflügel angeschlossen, der 2010 abgerissen wurde. Die Rechnerhalle besetzte partiell die Plantage sowie einen Teil des 1734 nach Plänen von Pierre de Gayette fertigstellten Langen Stalls, der bis auf Georg Christian Ungers Schauportal[5] von 1781 dem Krieg zum Opfer fiel. Während die Halle 2019-2020 zusammen mit zwei Dritteln des flachen Eingangsbaus abgetragen wurde,[6] existiert das fünfgeschossige Verwaltungsgebäude bis heute und wird im Volksmund nach wie vor Rechenzentrum genannt. Es springt von der historischen Bauflucht der Breiten Straße zurück und überlagert auch nach dem Abriss der Kantine einen Teil der Grundfläche, die die 1968 gesprengte Garnisonkirche eingenommen hatte. Der Stahlbeton-Skelettbau wurde vor Ort montiert (Laststufe 2 MP).[7] Das zugrundeliegende KonstruktionssystemSK-Ost war u.a. für den Bezirk Potsdam entwickelt worden.[8] Nach dem Baukastenprinzip konnten mit Fertigteilen verschiedene Aufgabengebiete abgedeckt werden.[9]

Modell des Datenverarbeitungszentrums mit Kopfbau des Langen Stalls
Modell des Datenverarbeitungszentrums mit der Fassade des Langen Stalls (rechts) / Foto: Landeshauptstadt Potsdam/Vera Futterlieb

Nicht nur durch das prominente Mosaik (s. u.) wurde das Gebäude standortbezogen ausgestaltet. Dies wurde wichtig, denn Walter Ulbricht bemängelte bei einem Besuch in Potsdam 1967 die unter Leitung des Stadtarchitekten Werner Berg konzipierte Zentrumsplanung und warnte vor Monotonie – ein Punkt, der von manchen gegen die DDR-Moderne insgesamt ins Feld geführt wird.[10] Laut Ulbricht seien „Betonsärge“ zu vermeiden, gerade am Standort der Garnisonkirche müsse „ein Gebäude stehen, das wirkt“.[11] Doch war das Bauwesen nach dem Ende der Nationalen Tradition – jener Phase der DDR-Architektur, die programmatisch auf Stile der Vergangenheit zurückgegriffen hatte – ab Mitte der 1950er Jahre zunehmend industrialisiert worden, einhergehend mit einer ,modernen‘ Formensprache und der Typisierung ganzer Bauten – oder Konstruktionsververfahren, wie im Falle des Systems SK-Ost.

Südfassade Breite Strasse

Um den Vorwürfen des Ersten Sekretärs des ZK der SED entgegenzuwirken, „individualisierten“ die Architekten mit Einfallsreichtum das „nüchterne System“. Zunächst wurde ein eigenes mit der SK Bauweise vereinbares Fensterformat entwickelt. Der Stützenabstand sah ein Querformat vor, nun wurden auf der entsprechenden Breite zwei ,maßgeschneiderte‘ quadratische Fenster eingesetzt. Als ebenso „machbar“ erwies sich dann die Idee, vertikale Wandvorlagen zur plastischen Gliederung der Fassaden anzubringen, die zugleich als Sonnenschutz hätten dienen können. Für das Rechenzentrum hatte eine „halbstaatliche“ Firma aus Waren/Müritz Aluminiumprofile „aus dem Katalog“ auf Länge gebracht und sich zudem der Unterkonstruktion angenommen. So erinnert sich Wolfgang Kärgel,[12] der in einer aus dem VEB Hochbauprojektierung Potsdam ausgelagerten Brigade um Sepp Weber, die man mit der Entwurfsgestaltung prägender Zentrumsbauten beauftragt hatte,[13] an der Konzeption und Umsetzung des Datenverarbeitungszentrums beteiligt war.[14] – Nicht zufällig charakterisieren ähnliche Gliederungselemente (hier aus Sandstein) den 1970 in traditioneller Bauweise errichteten Anbau des Rechnungshofes aus dem Jahr 1907[15] (heute Bundesrechnungshof) in der Dortustraße. Ein weiteres Beispiel fand sich in  Potsdam ganz zentral: Stahlbeton-Lisenen gliederten sämtliche Fassaden des inzwischen bis auf die überformte Bibliothek abgerissenen Komplex aus dem Institut für Lehrerbildung (IfL, gebaut 1971-1977, nach der Wende Sitz der Fachhochschule Potsdam) und der Wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek (1970-1974), der sich zwischen dem Altem Markt und der Straße Am Kanal erstreckte.[16]

Wurde dort und am Rechenzentrum nun „das konstruktive Prinzip des Stahlbetonskeletts  auf die Gebäudehülle übertragen“,[17] wie es in der Literatur zu lesen ist? Genauer gesagt wurde das Motiv aufgegriffen, denn es war als rein gliederndes Element ohne tragende Funktion angelegt. In diesem Sinne fungierten die Wandvorlagen als Schmuckwerk an Bauten der eigentlich funktional ausgerichteten Moderne. Wie bei vielen klassischen Ornamenten wird eine tektonische Rolle im Gesamtgefüge vielleicht nicht suggeriert, aber zumindest gedanklich assoziiert.[18]

Diese Praxis erinnert an einen der prägenden Architekten des 20. Jahrhunderts. Kein geringerer als Ludwig Mies van der Rohe hatte das Motiv (zusammen mit Philip Johnson) am Seagram Building in New York (1954-1958) – seinerseits als Ausdruck einer modernen Klassik und ikonenhaft für die Nachkriegsmoderne – mit nichttragenden bronzebeschichteten Stahlträgern an der Vorhangfassade veredelt. „[T]he I-beam was turned into the abstract pilaster of the machine age.“[19]

Analogien zum Werk Mies‘ schimmern auch in anderen Aspekten durch. So gliedert sich der Verwaltungsbau um einen großzügigen, begehbaren Innenhof (so wie einst die einzelnen Module des Instituts für Lehrerbildung und der Bibliothek). Im Entwurf für die Krupp-Konzernzentrale in Essen hatte Mies zwei Höfe hintereinander angeordnet (eine Vorliebe für Innenhöfe zeigt sich in weiteren Entwürfen und Bauten). Am Institut für Lehrerbildung erinnerte sogar der  Kolonnadengang, ja der ganze Fassadenaufbau an diesen unrealisierten Entwurf von 1963, mehr noch an bedeutende Werke in den USA, wie  das Gebäude der Home Federal Savingand Loan Association in Des Moines/Iowa (1959-1962)[20] oder die 1972 fertiggestellte Martin Luther King Jr. Memorial Library in Washington, D.C., die ebenfalls durch Mies‘ Markenzeichen, die applizierten Stahlträger, gekennzeichnet sind.[21]

Diesen Bauten, oder auch nur jenem in Des Moines, eine unmittelbare Vorbildwirkung auf die zentralen Gebäude der Potsdamer Ostmoderne zu attestieren, wie hinsichtlich des IfL in Internetforen und sogar in der FAZ[22] zu lesen ist, erscheint allerdings – nicht zuletzt aufgrund der abweichenden Materialität[23] – als übertrieben. (Dass mit dem Haus Riehl von 1907 – dem bedeutenden „Erstlingswerk“[24] – und der 1915-1917 gebauten Villa Urbig[25] zwei Inkunabeln des Großmeisters in Babelsberg stehen, sei nebenbei als Zufall gewertet.)

Die eingesehenen Quellen schweigen bezüglich einer Mies-Rezeption durch die Gruppe um Sepp Weber.[26] Zwar hatten die Architekt/innen in der DDR auch nach dem Mauerbau Zugriff auf „westliche Architekturzeitschriften.“[27] Laut Wolfgang Kärgel sei van der Rohe aber nie „als direktes Zitat oder Vorbild in unseren Köpfen“ gewesen.[28] In der Hochzeit der Nachkriegsmoderne hätten „analoge Rahmenbedingungen“ schlicht zu „analogen Gestaltungsmitteln“ geführt.[29]

In Potsdam konnte und kann die moderne Abstraktion eines klassischen Motivs derweil als ,Lokalbezug‘ gewertet werden, hallen doch an genannten ostmodernen Bauten jene (teilweise geschossübergreifenden) Pilaster, Lisenen und Säulen eines frühklassizistisch durchdrungenen Barock wider, die mit Friedrich II. (König von 1740-1786) vielfach Verwendung fanden, so auch am Unger-Portal. Laut Kärgel sollte mittels der „vertikalen Struktur“ – am Rechenzentrum, am Anbau des Rechnungshofes und am IfL – bewusst eine Referenz zum Ort und zur Historie hergestellt werden.[30]

Die einst plastische Fassade des Rechenzentrums ist durch Umbauten nach der Wende nur noch durch die aufgehellten horizontalen Brüstungselemente und die Fenster gekennzeichnet, was genannte Bezüge unsichtbar gemacht und den Bau wieder entindividualisiert hat.

Auch städtebaulich bestimmte die Geschichte Potsdams den erwünschten Kontrast von ,Alt‘ und ,Neu‘, der als Einheit in der sozialistischen Stadt fungieren sollte.[31] Die Garnisonkirche wurde zwar ,ersetzt‘, gleichzeitig wurde (zusätzlich zu den lisenenartigen Wandvorlagen) ein Bezug zu den historischen Umgebungsbauten hergestellt. So nahm der südöstlich vorgelagerte Kantinen-Flachbau ungefähr die Höhe des Sockels des Unger-Portals auf, das restauriert und in die Neugestaltung der damaligen Wilhelm-Külz-Straße einbezogen wurde[32]. Auch dies ist – nach dem 2010 mit „einer regelrechten Party“[33] zelebrierten Abriss der Kantine – nicht mehr nachvollziehbar.

Datenverarbeitungszentrum Ecke Breite Straße / Dortustraße, 1969 – 1971, Kollektiv Sepp Weber, Zustand nach dem Umbau, Blick nach Nordosten, Sommer 2013
Datenverarbeitungszentrum Ecke Breite Straße/Dortustraße, 1969-71, Kollektiv Sepp Weber, Zustand nach dem Umbau, Blick nach Nordosten, Sommer 2013 / Foto Christian Klusemann

Nicht ungewöhnlich für DDR-Bauten aus jener Epoche ist wirkungsvoll in Szene gesetzte baubezogene Kunst. So wird die Sockelzone des Rechenzentrums südlich und westlich durch das markante, zwischen den Stützen angebrachte und aus achtzehn Einzelbildern bestehende Mosaik Der Mensch bezwingt den Kosmos charakterisiert[34]. Der Künstler Fritz Eisel beschrieb sein Werk 1976 als Auseinandersetzung „mit der elektronischen Datenverarbeitung zwischen der Einsteinschen Relativitätsformel E=m•c² und dem Marxschen Gesetz von der Ökonomie der Zeit (sic).“[35] Bei der Montage sind mutmaßlich drei Mosaikplatten an der Dortustraße vertauscht worden. Der mittig zu sehende Kosmonaut hätte wohl über der Erde schweben sollen – und die Darstellung ihrer aus dem All wahrnehmbaren Krümmung dafür passend über die drei Tafeln verteilt werden müssen. Stattdessen stehen die Tafeln links und rechts auf dem Kopf, oder sind zueinander verdreht angebracht worden. Fritz Eisels Schwiegersohn Jörg Kalkbrenner gab 2014 gegenüber der Märkischen Allgemeinen Zeitung an: „Der Künstler hat die versetze Anordnung genau so gewollt, damit die Sache etwas spannender wird. Einige Kunstbeflissene haben es bis heute nicht begriffen, dass es halt keine Kunst ist, die Erde immer nur schön [zu] zeigen“.[36] – Allerdings stand „eine solche freie Auffassung künstlerischer Gestaltung [in der DDR] nicht nur der gängigen Kunstvorstellung entgegen, sie war auch explizit nicht gewollt. Da Eisel diese politische Idee von Kunst selbst vertrat, wird er über die Vertauschung vermutlich nicht erfreut gewesen sein.“[37]

Es ist sicher kein Zufall, dass dieses Mosaik, das der säkularen Idee vom wissenschaftlichen Fortschritt huldigte, an historisch so bedeutungsvoller Stelle, dem Standort der Garnisonkirche, installiert wurde. So liest es sich wie ein ,Gegenprogramm‘, nicht nur zur Religion, sondern mit seiner sozialistischen Agenda auch zum überwunden erklärten „preußisch-deutschen Militarismus“.[38] Das Mosaik nimmt nach dieser Lesart direkten Bezug auf die Geschichte des Ortes, ohne dass dies auf den ersten Blick erkennbar ist.[39]

Erstaunlicherweise war noch 1967 geplant, hier ein Gebäude für die Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft und daneben – am Standort des Garnisonkirchenturms – ein Haus der Wissenschaft zu errichten. Ein Datenverarbeitungszentrum ist erst in der 1968 von Werner Berg und der Deutschen Bauakademie ausgearbeiteten Zentrumsplanung zur Vorlage beim Politbüro eingezeichnet.[40] Seit dem Auszug des Landesrechenzentrums[41]dient es als Kunst- und Kulturzentrum.[42] Noch immer ist unklar, ob es im Kontext der Kirchen-Rekonstruktion abgerissen werden wird oder doch erhalten werden kann.

Christian Klusemann ist Kunsthistoriker und ist seit 2011 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kunstgeschichtlichen Institut der Philipps-Universität Marburg , seit 2018 im DFG-Forschungsprojekt Peter Grund (1892–1966). Seine Forschungsschwerpunkte sind die Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts, insbesondere die Architektur im Nationalsozialismus, Architektur und Städtebau der DDR, Nachkriegsmoderne, Rekonstruktion

Anmerkungen

[1]  Röd, Ildiko: Rechenzentrum bleibt vorerst stehen, in: MAZ vom 23.11.2013, https://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam/Rechenzentrum-bleibt-vorerst-stehen (zuletzt abgerufen 24.06.2020).
[2] Der vorliegende Text basiert auf dem Beitrag von Allahverdy, Atreju; Klusemann, Christian: Datenverarbeitungszentrum, in: Klusemann, Christian. (Hrsg.): Das andere Potsdam. DDR-Architekturführer. 26 Bauten und Ensembles aus den Jahren 1949-1990, Berlin 2016, S. 163-167. Einige Passagen und Formulierungen wurden übernommen, der Text aber erweitert und aktualisiert.
[3] Bartmann-Kompa, Ingrid; Kutschmar, Aribert; Karn, Heinz: Architekturführer DDR – Bezirk Potsdam, Berlin (Ost) 1981, S. 35. Siehe auch METROPOLAR (Hrsg.): Und der Zukunft zugewandt. Potsdam und der gebaute Sozialismus, Potsdam 2011, S. 64-65 und Dähmlow, Silke; Elmenhorst, Lucas; Seehausen, Frank; Sigel, Paul: Architekturführer Potsdam, Berlin 2006, S. 14.
[4] Bei der Rechnerhalle handelt es sich wohl um einen Typenbau. Dies wurde noch nicht nachgewiesen (bisher hat sich kein Typenkatalog angefunden), vergleichbare Objekte sind jedoch in mehreren Bezirksstädten der ehemaligen DDR vorhanden. Für den Hinweis danke ich Roman Hillmann.
[5] Dähmlow et al. 2006 (wie Anm. 3), S. 14.
[6] Für den Hinweis danke ich Anja Engel, Kulturmanagerin vom Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum.
[7] Bartmann-Kompa et al. 1981 (wie Anm. 3), S. 35.
[8] Für den Hinweis danke ich Wolfgang Kärgel (Telefonat des Verfassers mit Wolfgang Kärgel am 23.06.2020).
[9] Etwa „Gesellschaftsbau (Gebäude für Erziehung, Lehre und Forschung, Gesundheitswesen, Handelseinrichtung), Gebäude für Produktionsvorbereitung und Nebenanlagen der Produktion“ wie „Mehrzweckgebäude, Sozialgebäude“ und andere. Siehe: Bauen in der DDR – Informationszentrum Plattenbau im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR): Typenbeschreibung zu: Konstruktionssystem SK Ost, https://www.bbr-server.de/bauarchivddr/archiv/dokumente/3-3-08-konstruktionsbeschr-sk-ost.pdf (zuletzt abgerufen 24.06.2020).
[10] Grünzig, Matthias: Für Deutschtum und Vaterland. Die Potsdamer Garnisonkirche im 20. Jahrhundert, Berlin 2017, S. 341.
[11] Ulbricht zitiert nach ebenda, S. 342.
[12] Telefonat des Verfassers mit Wolfgang Kärgel am 23.06.2020.
[13] Dies waren – in chronologischer Reihenfolge – das 1966 eröffnete Kulturhaus „Hans Marchwitza“ (der Komplex aus dem wiederaufgebautem Alten Rathaus und dem Knobelsdorffhaus samt neuem Verbinder und rückseitigem Anbau), das Interhotel Potsdam (1966-1969, heute Hotel Mercure), das Datenverarbeitungszentrum und schließlich der Komplex aus dem Institut für Lehrerbildung und der Wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek (Telefonat des Verfassers mit W. Kärgel am 23.06.2020). Für den Anbau des am Rechnungshofes zeichnete W. Merz verantwortlich. Bartmann-Kompa et al. 1981 (wie Anm. 3), S. 33.
[14] Die VEB Hochbauprojektierung wurde 1968 DDR-weit in die Wohnungsbaukombinate (WBK) eingegliedert. Betker, Frank: Einsicht in die Notwendigkeit, Stuttgart 2005, S. 161. Ein Teil der Hochbauprojektierung ging im VEB Landbauprojekt auf. Die Brigade um Weber bekam indes anfangs ein eigenes Büro (Telefonat des Verfassers mit W. Kärgel am 23.06.2020). Dies gab auch Hartwig Ebert, der ebenfalls am Bau des IfL beteiligt war, in einem 2017 veröffentlichten Interview an: „Er [Sepp Weber] war der Chef. Heute würde man ihn vielleicht als Projektleiter bezeichnen. Er ist mit einem von ihm ausgesuchten Team aus dem Landbauprojekt / Hochbauprojektierung – was damals ein großer volkseigener Betrieb war – ausgestiegen und hat die Gruppe zur Gestaltung des Stadtzentrums geleitet. Anfangs saßen sie im Stadthaus in einem kleinen Nebenraum, später sind sie in die Bertinistraße gezogen.“ Nachfolgend wurde auch die Gruppe um Weber ins Wohnungsbaukombinat eingegliedert. Hartwig Ebert im Interview Man hat sich vieles ausgemalt. Gespräch mit den Architekten Hiltrud Berndt und Hartwig Ebert, in: Falbe, Christopher; Falbe, Dina Dorothea (Hrsg.): Architekturen des Gebrauchs. Die Moderne beider deutscher Staaten, 1960-1979, Weimar 2017, 102-111, hier S. 105-106.
[15] Bartmann-Kompa et al. 1981 (wie Anm. 3), S. 33.
[16] Pietryga, Sophia: Innen Zentrum der Datenvereinbarung – außen Kosmos-Mosaik, Potsdam 2018, https://rz-potsdam.de/cms/hausmosaik/ (zuletzt abgerufen 24.06.2020). Siehe auch den Beitrag „Das Kosmos-Mosaik“ von Sophia Pietryga hier im Lernort Garnisonkirche, http://lernort-garnisonkirche.de/?p=452 (zuletzt abgerufen 24.06.2020). Zu genannten Bauten aus DDR-Zeiten im Potsdamer Stadtzentrum siehe vor allem Klusemann 2016.
[17] METROPOLAR 2011 (wie Anm. 3), S. 64. Siehe auch Allahverdy/Klusemann (wie Anm. 2).
[18] Für die Anregung danke ich Andreas Butter.
[19] Detlef Mertens zitiert nach: Higgott, Andrew: Key Modern Architects. 50 Short Histories of Modern Architecture, London 2018, S. 120. Siehe dazu auch Goldberger, Paul: His Buildings have the simplicitiy of poetry, in: The New York Times vom 16 Februar 1986, Seite 33, https://www.nytimes.com/1986/02/16/arts/architecture-view-his-buildings-have-the-simplicity-of-poetry.html (zuletzt abgerufen 24.06.2020). An der Vorhangfassade des ebenfalls an der Park Avenue gelegenen Lever House (Skidmore, Owings & Merrill/Gordon Bunshaft, 1951-1952) mit ihrer filigranen  Rahmenkonstruktion sind die vertikal durchlaufenden Aluminiumprofile schon hervorgehoben, beim Seagram Building treten die applizierten Stahlträger noch deutlicher und ästhetisierend hervor.
[20] Allahverdy, Atreju; Johannsen, Juliane; Klusemann, Christian: Institut für Lehrerbildung/Wissenschaftliche Allgemeinbibliothek, in: Klusemann 2016, S. 191-199, hier S. 193-194. Siehe auch Klusemann, Christian: „Regionalism in GDR-Modernism of the 1960s and 1970s“, in:  REGIONALISM, NATIONALISM & MODERN ARCHITECTURE. Proceedings. Edited by Jorge Cunha Pimentel, Alexandra Trevisan and Alexandra Cardoso, Porto 2018, S. 157-174, hier S. 167. https://comum.rcaap.pt/handle/10400.26/24574 (zuletzt abgerufen 24.06.2020).
[21] In Westdeutschland sind Bauten wie das Landtagsgebäude in Stuttgart (Kurt Viertel/Horst Linde, 1961) oder die Hauptverwaltung der Nixdorf Computer AG (Hans Mohr, 1972) in Paderborn nachweislich von Mies‘ Spätwerk beeinflusst.
[22] Maak, Niklas; Seidl, Claudius: Make Potsdam schön again, in FAZ vom 10.04.2017, https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/stadtplanung-make-potsdam-schoen-again-14953237-p2.html (zuletzt abgerufen 11.08.2020).
[23] Klusemann 2018 (wie Anm. 20), S. 167.
[24] Dähmlow et al. 2006 (wie Anm. 3), S. 157.
[25] Ebenda, S. 161.
[26] Allahverdy et al. 2016 (wie Anm. 20), S. 194.
[27] „In den späten 1960er Jahren hatten wir noch Umlaufmappen, etwa mit der DBZ [Deutsche BauZeitschrift], in den kommenden Jahren klang das dann aus und ging gleich Null“ (Telefonat des Verfassers mit Wolfgang Kärgel am 23.06.2020). Zuweilen wurde Mies auch in der DDR-Architekturzeitschrift Deutsche Architektur thematisiert, so in einer Rezension des 1965 veröffentlichten Buches Mies van der Rohe – Die Kunst der Struktur von Werner Blaser. Der Rezensent hielt fest, die Publikation sei „[b]rauchbar … wegen der zumeist ausgezeichneten Abbildungen von Entwürfen, gebauten Objekten, Konstruktionsdetails, und Fotomontagen.“ Behr, Adalbert: W. Blaser. Mies van der Rohe – Die Kunst der Struktur, in: Deutsche Architektur 1/1967, S. 62-63.
[28] Dass man das Werk van der Rohes kannte wird von Kärgel nicht negiert, dass dieser ein Vorbild gewesen sei hingegen schon (Telefonat des Verfassers mit Wolfgang Kärgel am 23.06.2020).
[29] Telefonat des Verfassers mit Wolfgang Kärgel am 23.06.2020.
[30] Telefonat des Verfassers mit Wolfgang Kärgel am 23.06.2020. Zum intendierten Lokalbezug durch die Lisenen am IfL siehe auch das Interview mit Hiltrud Berndt und Hartwig Ebert, in: Falbe 2017 (wie Anm. 14). Ergänzend sei noch angeführt, dass die Betonung der Vertikalen vor allem in den 1950er Jahren für viele Bauten der klassizistisch durchdrungenen Architektur der Nationalen Tradition kennzeichnend war, angefangen mit den Keramik-Lisenen an Hermann Henselmanns Hochhaus an der Weberwiese von 1952 (zugleich gibt es dafür Vorläufer in der Hochhausarchitektur der 1920er Jahre). In der DDR-Moderne der 1960er Jahre gewannen strukturell-expressive Momente an Boden, man denke etwa an das 1995/1996 abgerissene Außenministerium der DDR in Ost-Berlin (Josef  Kaiser et al, 1964-1967), dessen Vorhangfassade mit kunststoffbeschichteten Lisenen gegliedert wurde. Für diese Kontextualisierung danke ich Andreas Butter. – Dass standortbezogene ,Individualisierungen‘ auch in der DDR-Architektur der 1960er Jahre gängig waren, hat Ulrich Hartung bereits 2005 dargelegt. So stand „lediglich die Grundgestalt, nicht aber die Gestaltung des einzelnen Baus fest. Hier verblieben Architektinnen und Architekten große Spielräume, die selbst dazu genutzt werden konnten, Assoziationen an historische Gebäudeformen oder an lokale ,Traditionen‘ hervorzurufen.“ Hartung, Ulrich: Funktionstypen und Gestalttypen in der DDR-Architektur der sechziger Jahre, in: Bernhardt, Christoph; Wolfes Thomas (Hrsg.): Schönheit und Typenprojektierung. Der DDR-Städtebau im internationalen Kontext (Reihe Regio Transfer, Nr. 5), Erkner 2005, S. 181-207, hier S. 195[31] Klusemann, Christian: Architektur und Städtebau in Potsdam 1949-1990. Einführung in die Thematik / Forschungsstand, in: Ders 2016, S. 21-30, hier S. 23. Siehe auch Klusemann 2018 (wie Anm. 20) S. 157-174.
[32] Campen, Edda: Kontinuitäten, Brüche und Ambivalenzen im späteren DDR-Städtebau. Der Wohnkomplex Wilhelm-Külz-Straße in Potsdam 1975-1983, in: Butter, Andreas; Hofer, Sigrid: Blick zurück nach vorn. Architektur und Städtebau in der DDR, S. 128-153, hier, S. 139, https://archiv.ub.uni-marburg.de/es/2017/0004/pdf/sak-3-1.pdf (zuletzt abgerufen 24.06.2020).
[33] O.A.: Die Allianz der Geschichtslosen, in: taz vom 08.12.2010, http://www.taz.de/!62411/ (zuletzt abgerufen 24.06.2020).
[34] METROPOLAR 2011 (wie Anm. 3), S. 64. Zu den Vorgaben und zur städtebaulichen Anordnung siehe König, Susanne: Fritz Eisels Mosaik Der Mensch bezwingt den Kosmos am Rechenzentrum in Potsdam. Eine kunsthistorische Kontextualisierung von Ort, Werk und Rezeption, in: Zeitschrift für Kunstgeschichte Heft 1, 2020 (83. Jahrgang), S. 91-116, inbs. S. 98, https://www.fh-potsdam.de/fileadmin/user_dateien/2_studieren-FB_Architektur/SG_Architektur/2020_SoSe/Koenig/ZfK_1_2020_Ko__nig_KL.pdf (zuletzt abgerufen 24.06.2020).
[35] Fritz Eisel zitiert nach: Schumann, Henry: Ateliergespräche, Leipzig 1976, S. 45. Siehe auch Allahverdy; Klusemann 2016 (wie Anm. 2), S. 164-165.
[36] Jörg Kalkbrenner, zitiert nach: Märkische Allgemeine vom 13./14.12.2014, S. 3. Siehe auch  König 2020 (wie Anm. 34), S. 100.
[37] König 2020 (wie Anm. 34), S. 100.
[38] Allahverdy; Klusemann 2016 (wie Anm. 2), S. 166. Siehe auch Pietryga 2018 (wie Anm. 16) und die Programmankündigung zum Symposium zum Umgang mit dem Mosaik am Potsdamer Rechenzentrum (28.-29.02.2020), https://www.potsdam-museum.de/veranstaltung/28-29022020-symposium (zuletzt abgerufen 24.06.2020).
[39] König 2020 (wie Anm. 34), S. 94.
[40] Allahverdy; Klusemann 2016 (wie Anm. 2), S. 166. Die Politbürovorlage ist in Klusemann 2016 auf S. 103 abgebildet.
[41] O.A.: Das Rechenzentrum zieht um, in Märkische Allgemeine vom 03.06.2014, http://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam/Potsdam-Rechenzentrum-zieht-um (zuletzt abgerufen 24.06.2020).
[42] Oelschläger, Volker: Kunst und Kultur ins Rechenzentrum, in: Märkische Allgemeine vom 14.01.2015, http://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam/Potsdamer-Rechenzentrum-wird-Kunst-und-Kulturzentrum (zuletzt abgerufen 24.06.2020).

Online seit: 25. Juni 2020

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