Lasst uns in Frieden, wir reden doch vom Frieden!

Ein Kommentar von Philipp Oswalt

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Heute wird am Ort der Garnisonkirche für Frieden gebetet. Und am Sockel des wiederaufgebauten Kirchturm findet sich der in Stein gemeißelte Spruch: „Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“. Das ist doch gut, da ist keine Rede mehr vom Militarismus, von Waffengang und Obrigkeitstreue. Ein neuer Geist weht hier.

So reagieren viele, wenn man auf die Problematik der Geschichte und Symbolik des Ortes verweist. Und mehr noch: Die Mitglieder der Nagelkreuzgemeinde sind nicht die ersten und einzigen, die hier vom Frieden reden. Lässt dies nicht hoffen? Ist das nicht ein Keim des Guten an diesem Ort?

Unser Land „nahm teil an der Mehrung der Güter des Friedens, der Kultur und der menschlichen Gesittung. Es hat das Gefühl seiner Kraft nie gelöst von der tief empfundenen Verantwortung für das Gemeinschaftsleben der europäischen Nationen […]
Der Welt gegenüber aber wollen wir, die Opfer des Krieges von einst ermessend, aufrichtige Freunde sein eines Friedens, der endlich die Wunden heilen soll, unter denen alle leiden.“

Und: „Wo liegt nun der Weg in eine bessere Friedensqualität? Die politische Aufgabe wird am aussichtsreichsten über neue Arten der Zusammenarbeit auf allen nur möglichen Gebieten zu lösen sein. Die Gesellschaften müssen sich näherkommen. Die Wirtschaften müssen miteinander bis zur gegenseitigen Abhängigkeit verflochten werden.“

Wer sagte das? Wann und warum? Das erste Zitat ist aus Adolf Hitlers Rede am Tag von Potsdam in der Garnisonkriche Potsdam. Und das zweite Zitat von einem Aufsatz Max Klaar in einem evangelischen Magazin im Jahr 1984, als er den Nachbau des Potsdamer Glockenspiels initiierte.

Auch wenn alle vom Frieden reden, keine Frage, die Positionen von damals sind ganz andere als die von heute. Aber den Frieden an diesem Ort zu beschwören, das ist einfach zu wenig. So wird man seiner historischen Symbolbedeutung nicht gerecht.

Online seit: 1. Juni 2021

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