Statt Wiederaufbau Kirchenschiff ein Haus der Demokratie und Erhalt des Rechenzentrums

Visualisierung des Konzepts aus dem Design Thining Prozess, HPI School of Design Thinking, Potsdam 2021

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Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Potsdam hat in ihrer Sitzung am  26. Januar 2022 eine Änderung der bisherigen Planung für den Bereich der Plantage/ ehemalige Garnisonkirche beschlossen. Während der Nachbau des Kirchturms der ehemaligen Garnisonkirche bis nächstes Jahr fertiggestellt werden soll, verzichtet man auf einen Wiederaufbau des Kirchenschiffs. Das Grundstück hierfür soll wieder in städtische Verantwortung fallen, um an dieser Stelle ein Haus der Demokratie zu errichten. Wenn eine Rückübertragung von der Stiftung an die Stadt nicht vollzogen werden kann, soll dies im Rahmen einer Erbpacht geschehen. Das Rechenzentrum soll als Gebäude wie auch als Cluster einer selbstverwalteten soziokulturellen Nutzung weitestgehend erhalten bleiben. Die drei heterogenen Bausteine bilden dann gemeinsam ein öffentliches Forum, das der Diversität der Positionen zu diesem seit drei Jahrzehnten heftig umstrittenen und umkämpften Ort Rechnung trägt.

Dieser Kompromiss ging ein bald einjähriger Dialog zwischen Stadt Potsdam, Stiftung Garnisonkirche und Nutzenden des Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum voraus. Dieser wurde im Sommer 2021 von der HPI School of Design Thinking Potsdam mitgestaltet. Während Stiftung und NutzerInnen des Rechenzentrums den Beschluss begrüßen, kritisierten die Vertreter der Potsdamer Initiative Mitteschön! und gewichtige Teile der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam diesen scharf und sprachen von einer zweiten Sprengung der Garnisonkirche und undemokratischen DDR-Verhältnissen. Umgekehrt wurde der Beschluss auch von linksorientierten Initiativen und Parteien kritisiert, welche in ihm zu große Zugeständnisse an die Stiftung Garnisonkirche sahen. Die Wideraufbaugegner:innen kritisierten auch, dass der Turm der  Garnisonkirche nicht Gegenstand des Dialogprozesses und der  Beschlussfassung war.

Der Beschluss sieht vor, in einem nächsten Arbeitsschritt das Nutzungskonzept, das Raumprogramm und deren räumlich-bauliche Möglichkeiten zu konkretisieren, wofür u.a. mehrere Arbeitsgruppen gebildet und eine Machbarkeitsstudie beauftragt werden sollen. Erste architektonische-städtebauliche Ideen hierzu werden demnächst im Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum präsentiert. Die TU Berlin (Natural Building Lab) wird dort in einer Ausstellung ab Mitte Februar Entwürfe für die bauliche Weiterentwicklung des Kunst- und Kreativhauses Rechenzentrum vorstellen. Ab Anfang April wird dann die Universität Kassel (FG Architekturtheorie und Entwerfen) Entwürfe für das neue Haus der Demokratie für den Bereich des ehemaligen Kirchenschiffs im Kosmos im Rechenzentrum ausstellen.

Kritisches Statement der BI Potsdam ohne Garnisonkirche vom 25.1.2022

Online seit: 28. Januar 2022

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