Kontroverse über neuen Lernort Garnisonkirche

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Die am Samstag, den 5. September 2020 im Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum eröffnete Ausstellung „Rechtsradikale Einschreibungen“ des Lernorts Garnisonkirche wurde – wie der evangelische Pressedienst (epd) heute berichtet – scharf kritisiert. Prof. Dr. Paul Nolte, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Garnisonkirche sagte laut epd vom 9. September 2020, er sehe mit Sorge, „dass derselbe Kritikerkreis sich gegen die Wahrnehmung der Wirklichkeit zunehmend abschottet“. Von „rechtsradikalen Einschreibungen“ bei dem Projekt zu sprechen wie die Kritiker, grenze „an das, was wir momentan als Verschwörungsmythen diskutieren: Realitätsleugnung plus Überzeugtheit von geheimnisvollen bösen Kräften“. Dies sei „kaum diskursfähig“.

Die beiden SprecherInnen des wissenschaftlichen Beirats des Lernort Garnisonkirche, Prof. Dr. Micha Brumlik und Dr. Annette Leo, antworteten hierauf: „Wir bedauern, dass Prof. Dr. Paul Nolte als Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Garnisonkirche Potsdam die in der Ausstellung „rechtsradikale Einschreibungen“ des Lernorts Garnisonkirche geäußerte Kritik am Wiederaufbauprojekt als Tatsachenverdrehungen, Wirklichkeitsverlust und Verschwörungstheorien abtut. Leider geht er nicht auf die dort nach einjähriger Forschungs- und Archivarbeit vorgelegten Dokumente und begründeten Argumente ein.

Die historische Garnisonkirche diente schon viele Jahre vor dem Tag von Potsdam im März 1933 als Identifikationsort für Rechtsradikale. Das Wiederaufbauvorhaben wurde von dem rechtsradikalen ehemaligen Bundeswehroffizier Max Klaar initiiert und Jahrzehnte lang vorangetrieben. Mit ihrer Übernahme des Projektes hat die kirchliche Stiftung zwar die Versöhnungs- und Friedensthematik als wesentlichen neuen Inhalt in das Vorhaben eingeführt, wie es auch die aktuelle Ausstellung des Lernorts darstellt. Zugleich gibt es aber bis heute wesentliche Kontinuitäten zum Ursprungskonzept von Max Klaar. Es verwundert daher leider nicht, dass das Wiederaufbauprojekt bis heute von Rechtsradikalen uneingeschränkt begrüßt und befürwortet wird. Und dies trotz der Distanzierungen, welche die Stiftung in den letzten Jahren geäußert hat.  

Herzlich laden wir den wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Garnisonkirche Potsdam zu einer gemeinsamen Besichtigung der Ausstellung und einem Gespräch hierzu ein. Gerade wer sich einer Versöhnungs- und Friedensthematik angenommen hat, sollte seine Kritiker nicht diffamieren, sondern zu einem sachlichen Dialog bereit sein.“

Online seit: 9. September 2020

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