Konzept für einen Lernort – Revision eines nicht eingelösten Versprechens

Philipp Oswalt und Steffen Schuhmann

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Im Herbst 2019 hat Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) eine politische Debatte initiiert zu der Frage, wie es mit dem Projekt Garnisonkiche nach dem Turmbau weiter gehen soll, und hat dabei die Idee einer internationalen Jugendbildungsstätte als eine Möglichkeit ins Spiel gebracht.

Diese Debatte ist für uns Anlass, einen Vorschlag zur weiteren baulichen und programmatischen Entwicklung des Projektes zu unterbreiten. Wichtiger Bezugspunkt sind für uns die ursprünglichen Ideen der evangelischen Kirche, einen Lernort zu schaffen und in der äußeren Erscheinung des rekonstruierten Kirchturms einen sichtbaren Bruch zu verdeutlichen. Beides wurde – nicht zuletzt in Rücksicht auf rechtsgerichtete Spender – bald nicht mehr verfolgt. Stiftung und Fördergesellschaft betrieben seit vielen Jahren die Idee eines möglichst originalgetreuen Wiederaufbaus. Für einen Lernort fehlt nicht nur das Interesse, sondern auch die Geldmittel und die Räumlichkeit. Für Ausstellungszwecke gibt es lediglich 230 qm Fläche von 2,9 Meter höhe im 3. Obergeschoss jenseits der Hauptbesucherströme.

Wir schlagen hingegen vor,

  • den barocken Waffenschmuck am Kirchturm zu ersetzen durch einen Bauschmuck, der von den 65 Ländern gestaltet werden soll, gegen die Preußen und das Deutsche Reich Krieg geführt hatte.
  • das zu DDR-Zeiten erbauten Rechenzentrum zu erhalten. Diese stellt gemeinsam mit dem (teils) wiederaufgebauten Kirchturm ein spannungsvolles Ensemble von Bau- und Gegenbau dar, welches Geschichte lesbar werden lässt.
  • beider Bauten mit einem zweistöckigen, zentral gelegenen Ausstellungsgebäude von 1000 qm Fläche zu verbinden, welches ebenerdig direkt von Kirchturmeingang erschlossen wird. Hiermit soll ein Lernort entstehen, an dem die schwierige Geschichte des Ortes von Gründung bis heute differenziert dargestellt werden kann.
Kirchturm mit Nennung der ehemaligen Kriegsgegner

Philipp Oswalt, geboren 1964 in Frankfurt Main, Architekt und Publizist, unterrichtet Architekturtheorie und Entwerfen an der Universität Kassel.

Steffen Schuhmann, Grafik Designer, gründete mit Axel Watzke und Christian Lagé 2004 in Berlin das Grafikkollektiv Anschlaege.de und
unterrichtet visuelle Kommunikation an der Kunsthochschule Berlin Weißensee.

Online seit: 23. Mai 2020

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