Kontexte

Weder die historische Garnisonkirche noch das Wiederaufbauvorhaben stehen für sich, sondern im Kontext allgemeiner gesellschaftlicher Debatten, Entwicklungen und Konflikte. An dieser Stelle wollen wir Analysen und Positionen Raum geben, welche sich mit diesen Hintergründen befassen, ohne welche die Diskussionen um das Projekt nicht verstanden werden können.

Buchvorstellung „Das Widerstandsprojekt Garnisonkirche – Eine Chronik“

Carsten Linke

Der „Verein zur Förderung antimilitaristischer Traditionen in der Stadt Potsdam e.V.“ hat die Publikation „Das Widerstandsprojekt Garnisonkirche – Eine Chronik der Hof- und Militärkirche, des Widerstandes gegen den Wiederaufbau der Kirche und der jüngeren Stadtentwicklung“ (1644-2022) herausgegeben. Autor ist Carsten Linke.

Martin Luther – schwarzrotgold? Die Humboldts – schwarzweiß(rot)?

Richard Faber

I. Vor allem im Jahre 2017 kannte fast jeder das hier abgebildete Logo der sogenannten „Lutherdekade“. Ich betone „Dekade“ und erinnere daran, dass sie zehn Jahre lang aufgrund eines einstimmigen Bundestagsbeschlusses mit nationalen Steuergeldern tüchtig alimentiert worden ist, also auch mit Steuergeldern islamischer, jüdischer, katholischer und religiös nicht gebundener Steuerzahler. Darauf komme ich später zurück;

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Leere Kirche – volle Kassen

Carsten Frerk

Der deutsche Staat und christlichen Kirchen sind bis heute finanziell und institutionell verflochten, nicht zuletzt dank gesetzlicher Regelungen, die im NS-Regime eingeführt und später von der BRD übernommen wurden.

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Zwei Rezensionen zu „Deutsche Krieger“

Guido Sprügel und Wolfram Wette

Zwei Rezensionen zu dem Buch über 150 Jahre deutsche Militärgeschichte von der Gründung des Kaiserreichs bis heute

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Der Kapp-Putsch und Potsdam

Matthias Grünzig

Der Kapp-Putsch vom März 1920 war der erste große Angriff rechtsradikaler Kräfte gegen die demokratische Weimarer Republik. Gleichzeitig hatte er ein breites Engagement für die Demokratie zur Folge. Die Putschisten waren binnen Tagen zur Aufgabe gezwungen. Potsdam und seine Garnison spielten eine wichtige Rolle, aber ebenso gab es hier eine demokratische Gegenwehr.

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Überfall auf Polen 1939: Erfahrung und Erinnerung

Jochen Böhler

Der deutsche Vernichtungskrieg nahm in Polen 1939 seinen Anfang, als in den ersten Wochen des Überfalls auch das Infanterieregiment 9 in Polen einmarschierte. In seinem Operationsgebiet kam es – wie überall in Polen – zu Massenerschießungen von Zivilisten durch die Wehrmacht, denen bis Monatsende über 10.000 Menschen zum Opfer fielen.

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Restauration oder Neuanfang?

Andreas Pangritz

Position und Verhalten der Bekennenden Kirche im Nationalsozialismus waren ausgesprochen ambivalent. Sie war keineswegs ein Ort der Widerstands. Nicht zuletzt gab es hier bei vielen – wie etwa Otto Dibelius – einen expliziten Antisemitismus.

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Die Selbst-Viktimisierung

Daniel-Pascal Zorn

Selbstviktimisierung ist nicht zuletzt im Kontext des Rechtspopulismus eine in den letzten Jahren populär gewordene Argumentationsfigur, welcher der Hamburger Philosoph in seinem Essay nachgeht.

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Ein Prinz im Widerstand?

Peter Brandt, Stephan Malinowski

Im Streit um die Entschädigungsforderungen der Hohenzollern, auch Hausherren der Hof- und Garnisonkirche, gibt es vier Historiker-Gutachten. Kronprinz Wilhelm, heißt es in einem, habe Hitler 1932/33 nicht unterstützt, sondern versucht, ihn zu verhindern. Ist das plausibel? Hier die Antwort zwei anderer Gutachter.

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Make Potsdam great again

André Tomczak, Manuel Lutz, Holger Zschoge

Die Rekonstruktion der Stadtmitte Potsdams ist Paradebeispiel einer Stadtentwicklung von oben: Diskurse der Ästhetik und Wiederherstellung vergangener Pracht werden geschickt verknüpft mit Strategien der Privatisierung und Verwertung von Stadt. Das Narrativ der schönen und großartigen Stadt wird gebrochen durch Proteste, die sich seit mehreren Jahren gegen den Abriss der sozialistischen Leitbauten und für eine alternative, vielfältige, demokratische Entwicklung der Innenstadt für Alle einsetzen

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Das Modell des preußischen Staates

Dietmar Willoweit

Der einstige Brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) unterstützte frühzeitig den Wiederaufbau der Garnisonkirche und war dessen langjähriger Schirmherr, nicht zuletzt aus dem Grunde, weil die Kirche die preußische Staatsidee repräsentiere und somit ein Symbol von nationaler Bedeutung sei. Doch diese Staatsidee steht im Widerspruch zur Demokratie, aber auch zum dynastischen Prinzip der Monarchie.

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Kirche im Nationalsozialismus: Ein religiöser Aufbruch

Manfred Gailus

Woran glaubten die Deutschen der Hitlerzeit? 1933 bedeutete nicht allein eine politische Zäsur, sondern für viele Zeitgenossen zugleich ein religiöses Erlebnis: endlich Abkehr von der Weimarer Republik, die als „Gottlosenrepublik“ wahrgenommen wurde; endlich Beginn einer verheißungsvollen Zeitenkehre mit mehr Glauben, Religion und „Volksgemeinschaft“. Anzeichen eines religious revival gab es viele: Kirchenaustritte hörten plötzlich auf; atheistische

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