Kontexte

Weder die historische Garnisonkirche noch das Wiederaufbauvorhaben stehen für sich, sondern im Kontext allgemeiner gesellschaftlicher Debatten, Entwicklungen und Konflikte. An dieser Stelle wollen wir Analysen und Positionen Raum geben, welche sich mit diesen Hintergründen befassen, ohne welche die Diskussionen um das Projekt nicht verstanden werden können.

Die Selbst-Viktimisierung

Daniel-Pascal Zorn

Selbstviktimisierung ist nicht zuletzt im Kontext des Rechtspopulismus eine in den letzten Jahren populär gewordene Argumentationsfigur, welcher der Hamburger Philosoph in seinem Essay nachgeht.

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Ein Prinz im Widerstand?

Peter Brandt, Stephan Malinowski

Im Streit um die Entschädigungsforderungen der Hohenzollern, auch Hausherren der Hof- und Garnisonkirche, gibt es vier Historiker-Gutachten. Kronprinz Wilhelm, heißt es in einem, habe Hitler 1932/33 nicht unterstützt, sondern versucht, ihn zu verhindern. Ist das plausibel? Hier die Antwort zwei anderer Gutachter.

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Make Potsdam great again

André Tomczak, Manuel Lutz, Holger Zschoge

Die Rekonstruktion der Stadtmitte Potsdams ist Paradebeispiel einer Stadtentwicklung von oben: Diskurse der Ästhetik und Wiederherstellung vergangener Pracht werden geschickt verknüpft mit Strategien der Privatisierung und Verwertung von Stadt. Das Narrativ der schönen und großartigen Stadt wird gebrochen durch Proteste, die sich seit mehreren Jahren gegen den Abriss der sozialistischen Leitbauten und für eine alternative, vielfältige, demokratische Entwicklung der Innenstadt für Alle einsetzen

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Das Modell des preußischen Staates

Dietmar Willoweit

Der einstige Brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) unterstützte frühzeitig den Wiederaufbau der Garnisonkirche und war dessen langjähriger Schirmherr, nicht zuletzt aus dem Grunde, weil die Kirche die preußische Staatsidee repräsentiere und somit ein Symbol von nationaler Bedeutung sei. Doch diese Staatsidee steht im Widerspruch zur Demokratie, aber auch zum dynastischen Prinzip der Monarchie.

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Kirche im Nationalsozialismus: Ein religiöser Aufbruch

Manfred Gailus

Woran glaubten die Deutschen der Hitlerzeit? 1933 bedeutete nicht allein eine politische Zäsur, sondern für viele Zeitgenossen zugleich ein religiöses Erlebnis: endlich Abkehr von der Weimarer Republik, die als „Gottlosenrepublik“ wahrgenommen wurde; endlich Beginn einer verheißungsvollen Zeitenkehre mit mehr Glauben, Religion und „Volksgemeinschaft“. Anzeichen eines religious revival gab es viele: Kirchenaustritte hörten plötzlich auf; atheistische

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