Lernort Garnisonkirche

Die Garnisonkirche Potsdam, 1730–1735 erbaut, 1945 schwer beschädigt und 1968 abgerissen, war für über 200 Jahre ein wichtiger Symbolbau und soll nun – in Teilen oder in Gänze – wieder errichtet werden. In der ambivalenten Geschichte Preußens repräsentiert sie dessen problematische Seite: Sie steht nicht für Aufklärung, Emanzipation und Liberalität, sondern für Dynastie und Gehorsam, sie steht nicht für Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung, sondern für Expansionsstreben und Machtanspruch, sie steht nicht für Bildung und Wissenschaft, sondern für Militär und Staatskirche, sie steht nicht für den demokratischen Freistaat Preußen der Weimarer Republik, sondern für die antidemokratischen Kräften des Deutschen Reichs.

Der 2017 begonnene Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam soll nicht zuletzt dazu dienen, hier einen Lernort deutscher Geschichte zu schaffen. Doch bislang wurde dieses Versprechen nicht eingelöst, im Gegenteil: Die Befürworter*innen und die Trägerin des Vorhaben zeichnen bis heute ein geschöntes und teils verfälschtes Bild von der Geschichte des Ortes. Dem will diese Seite entgegentreten und über die Historie des Ortes aufklären.  Mehr lesen

Editorial Juni 2020

Herzlich willkommen auf der neuen Website www.lernort-ganrisonkirche.de. Wir wollen mit Texten, Videos und Dokumenten über die verschiedensten Facetten des Ortes der ehemaligen Garnisonkirche informieren. Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf der Geschichte des historischen Baus und seiner Gemeinde. Uns geht es hierbei nicht um die illustre Abfolge  prominenter Besucher– von Bach über Napoleon und bis Mussolini- , sondern um das Alltagsgeschehen der Kirche: Was wurde hier den Menschen gepredigt, wie erfolgte die Kirchenarbeit? Wofür wurde die Kirche tagein-tagaus genutzt? Und hier zeigt sich wenig, auf das wir heute stolz sein können, sondern eine unselige Traditionslinie von Herrscherhaus, Militär und Kirche, die – auch ganz ohne den Tag von Potsdam – zu den dunkelsten Seiten Preußens, Deutschlands und des Christentums gehören. Zu den erfreulicheren Facetten der Geschichte gehört die meist wenig gewürdigte Arbeit der Zivilgemeinde nach 1945, welche den Abriss überdauerte, die aber nach 1990 marginalisiert 2018 ihre Eigenständigkeit verlor.

Die Bemühungen um den Wiederaufbau reichen inzwischen fast vier Jahrzehnte zurück und sind selbst zu einer eigenen Geschichte geworden, die wir in einem eigene Menüpunkt dokumentieren, analysieren und reflektieren wollen. Den Gegenpol hierzu bildet das Rechenzentrum: Einst quasi wie ein Gegenbau zur Garnisonkirche errichtet, zwischenzeitlich für den Abriss bestimmt und seit einigen Jahren zu einem Kunst- und Kreativzentrum entwickelt. Selten stehen sich zwei entgegengesetzte Geisteshaltungen und Milieus auf so engerem Raum gegenüber und ergänzen sich zu einem Gesamtbild, welche nicht nur das Spannungsfeld des heutigen Potsdams, sondern auch einer nationalen Kontroverse aufzeigt.


Die Intensität der Auseinandersetzung um das Wiederaufbauprojekt läßt sich nur verstehen, weil es sich um einen Symbolbau handelt, der weit über das Lokale hinausreicht. In dem Für und Wider spiegeln sich grundlegendes Fragen unseres gesellschaftlichen Selbstverständnisses. Im Menüpunkt „Kontexte“ wollen wir daher Beiträgen Raum geben, die nicht den Ort fokussieren, sondern sich diese größeren Fragen und Zusammenhängen widmen. Hier beginnen wir mit Texten zur preußischen Staatsidee, zur Kirche und den Hohenzollern im Nationalsozialismus sowie zur Potsdamer Stadtentwicklung seit 1990.

Der Menüpunkt „Debatte“ ist meinungsfreudigen Beiträgen gewidmet und Kontroversen im Sinne von Rede und Gegenrede. Leider konnten wir unseren Wunsch nach Meinungsvielfalt hierbei noch nicht wie gewünscht umsetzen, weil Autoren wie Wolfgang Huber und Paul Nolte bislang nicht bereit waren, eigene Texte für eine Veröffentlichung auf dieser Seite zur Verfügung zu stellen. Das bedauern wir.

Einige Beiträge sind Erstveröffentlichungen, ein guter Teil aber – wie stets ausgewiesen – bereits zurvor anderswo publiziert. Mit diesen Seiten wollen wir diese zerstreuten Inhalte an einem Ort leicht verfügbar machen. Diese Webplattform soll kontinuierlich weiterentwickelt werden. Im viertel- bis halbjährigem Zyklus wollen wir die Seite mit einer Reihe neuer Beiträge ausbauen. Wir freuen uns über Beiträge sowie Vorschläge zu Texten, Bildern und Materialien, ob bereits vorhanden oder noch zu entwickeln. Alle Leser*innen wollen wir zudem ermuntern, Beiträge sachlich zu kommentieren.

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Unser Ziel ist die Schaffung eines Lernortes, der auf die besondere Geschichte der Garnisonkirche reagiert. Wir wollen die antidemokratische und militaristische Geschichte des Ortes zum Anlass nehmen, um hier einen Lernort für Demokratie und Frieden zu etablieren. Noch erhalten wir keinerlei Förderung, haben aber Kosten.

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